Landesverband Sachsen-Anhalt

Müntzer, Thomas:

Donnerstag, 24. August 2017 von Thomas

F. Engels – MEW, Band 7, Seite 329 „Der deutsche Bauernkrieg“

Müntzer, Thomas: (vor 1490 Stolgerg, Harz bis 27.05.1525 bei Mühlhausen) bedeutender Ideologe der Volksreformation und Führer des revolutionären Flügels im deutschen Bauernkrieg.

Müntzer wurde als Sohn eines nicht unvermögenden Handwerkers geboren. Die ersten gesicherten Lebensdaten Müntzers beziehen sich auf seine Immatrikulation am 16.10.1506 an der Leipziger Universität und auf sein Studium in Frankfurt an der Oder 1512. Selbst ob er akademische Grade erwarb, ist nicht belegt. 1513 finden wir Müntzer als Kollaborator (Hilfslehrer) in Halle, 1514 als Geistlichen in der Halberstädter Diözese. 1516-1517 war er Probst im Kloster Frose bei Aschersleben. Ende 1518 bis Anfang 1519 hielt sich Müntzer vielleicht in Wittenberg auf, der berühmten Disputation zwischen Luther und Johann Eck in Leipzig (24.06. – 16.07.1519) wohnte er zumindest zeitweise bei. Mit umfangreichen theoretischen Studien beschäftigte er sich während seines Wirkens als Beichtvater im Nonnenkloster Beuditz bei Weißenfels.

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… Theorie wird zur materiellen Gewalt …

Sonntag, 26. März 2017 von Thomas
Ein interessantes Werk, welches ich auf Grund einer Diskussion mal wieder gelesen habe. Eigentlich ging es um ein Zitat, welches einem anderem Autor zugeschrieben wurde, aber von Marx stammte. Auch ist verblüffend wie aktuell diese Schrift ist, gerade auch darin, was über die Mentalität der Deutschen gesagt wird. Die folgenden Zitate sind aber allgemeinere Aussagen, das Ausschlaggebende Zitat habe ich hervorgehoben:
Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung“
Karl Marx/ Friedrich Engels – Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976. S. 378-391. und – hier nachzulesen –
– Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.
– Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.
– Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.
–  Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.
– Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.
– Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit ihm im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation.
– Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert.
– Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.
– Sogar das moralische Selbstgefühl der deutschen Mittelklasse beruht nur auf dem Bewußtsein, die allgemeine Repräsentantin von der philisterhaften Mittelmäßigkeit aller übrigen Klassen zu sein.
– Der König, indem er das Volk für sein Privateigentum erklärt, spricht es nur aus, das der Privateigentümer König ist.
– Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, …

Gedenken an einen großen Reformator – Thomas Müntzer –

Montag, 24. Oktober 2016 von Thomas

Heute (31.10.13) ist Feiertag, Reformationstag und die Reformationsbewegungen an der Schwelle zur Neuzeit haben ihre Spuren hinterlassen. Dabei wird bei der Spurensuche durchaus sondiert und die Spuren in den Vordergrund gestellt, welche dem eignem Interesse dienlich sind. Da passt es heutzutage nicht unbedingt einen Reformator wie Thomas Müntzer zu ehren, eher wird bei Martin Luther stehen geblieben, mit welchem dessen Zeitgenosse Hieronymus Höltzel in seiner Schrift „Hoch verursachte Schutzrede und antwwort wider das Gaistlose Sanfftlebende fleysch zu Wittenberg“ abrechnete. Wie anderes auch, ist diese Streitschrift im Kontext ihrer Zeit zu sehen, sie ist auf dem Höhepunkt der Reformation, am Vorabend der Bauernkriege verfasst worden. Müntzer und seine Mitstreiter gingen mit ihren Vorstellungen von der Reformation weit über die Luthers hinaus, sie strebten die Befreiung des Volkes von seiner Knechtschaft an. Müntzer gehört zu den radikalen Kräften, welche nach 1521 weit über die Reformation Luthers hinausgingen und „sie stießen bis zu den revolutionären Konsequenzen einer Veränderung auch der weltlichen Herrschaft vor. In nur knapp fünf Jahren wurden neue Ideen hervorgebracht und zahlreiche Kräfte für den Kampf gegen die geistlichen und weltlichen Feudalgewallten mobilisiert. In dieser Zeit reifte auch Thomas Müntzer zum Prediger, Theologen und Streiter für die Revolution, für die Sache des „gemeinen Mannes“.“

In keinem Fall ist die historische Leistung Luthers zu schmälern, an der Schwelle zu einer neuen Zeit hat er Bahnbrechendes geleistet, nur sind Müntzer und seine Mitstreiter weit über dieses hinausgegangen und haben den Weg in eine neue Gesellschaft gewiesen. Am Rande sei aber auch daran erinnert, das Müntzer vor Luther in deutscher Sprache gepredigt hat. Somit gedenke ich heute am Reformationstag dem großen deutschen Reformator und Revolutionär Thomas Müntzer!

Nachgedanke (01.11.2013):
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