Landesverband Sachsen-Anhalt

Nieder mit der neuen Rechtschreibung!

Montag, 20. Oktober 2014 von Thomas

RechtschreibungAlle Rechtschreibreformen seit Luther haben die geschriebene Sprache der gesprochenen angenähert. Sprach man im Mittelalter deutsch und schrieb Latein, so wurde nach Luther auch deutsch geschrieben, wenngleich mit lateinischen Buchstaben. Diese wurden nach und nach dem Deutschen besser angepaßt, indem etwa ä, ö, ü, ß entstanden, indem die stummen h entfielen usw. Man kann zusammengefaßt formulieren: Die Schriftsprache wurde vereinheitlicht, vereinfacht und demokratisiert.

Das ging so bis 1990. War der Zeitraum vom Mittelalter bis 1990 im Groben betrachtet in Europa ein permanenter Aufstiegsprozeß, so sollte es Lesern auf Freidenker-Seiten klar sein, daß mit dem Wüten der Konterrevolution der Niedergang auf allen denkbaren Gebieten einsetzte. Prompt ging die Rechtschreibreform von 1996/2006 den entgegengesetzten Weg aller bisherigen Reformen der deutschen Rechtschreibung.

Weil die Heuchelei dank den USA exzessiv erweitert wurde, wurden als Ziele dieser Reform allen Ernstes Vereinheitlichung und Vereinfachung angegeben.

Daraus ist dann etwa folgendes geworden: Wurde vorher erweiterter Infinitiv mit zu durch Komma abgetrennt (eine Regel), so hängt das heute vom Verb ab. Manche Verben erfordern die Abtrennung durch Komma, manche verbieten es, manche lassen Wahlmöglichkeit. Sind drei Regeln mindestens, aber eigentlich so viele Regeln, wie es Verben gibt. Vereinfachung hätte jedoch bedeutet, die Anzahl der Regeln zu verringern.

Vereinheitlichung wiederum soll sicherstellen, daß die Schriftsprache nicht in verschiedene Schulen zerfällt, die sich über kurz oder lang zu eigenen Kodierungen verselbständigen. Wo Wahlmöglichkeiten künstlich eingeführt werden, wie eben bei der Abtrennung des erweiterten Infinitivs mit zu durch Komma, da wird die Einheitlichkeit mutwillig untergraben.

Dies war nur ein Beispiel. Der Verfasser dieser Zeilen, der zu seinem Mißvergnügen gezwungen war, sich detailliert in die Regeln der Reform einzuarbeiten, versichert jedoch, daß man Reformschritt für Reformschritt in dieser Art durchgehen könnte, um in 98% aller Fälle zum selben Ergebnis zu kommen.

In Wahrheit ist die 1996/2006-Rechtschreibreform eine Maßnahme in Richtung Zerstörung der deutschen Sprache. Dabei spielt es nicht die Rolle, aus welchem subjektiven Motiven die Mitglieder der Reformkommission gehandelt haben mögen.

Entscheidend ist hier der Zeitgeist, und der ist allemal der Herren eigener Geist, also imperialistischer Geist, beeinflußt von der globalen Dominanz der USA.

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Samstag, 11. Oktober 2014 von Thomas

Kopie des Einbandes

Ein Roman wurde mir empfohlen, „Der Luther-Roman“ „Feuer“ von Waltraut Lewin und der Empfehlung folgend, nahm ich diesen Roman mit in den Urlaub. Dort hatte ich ihn allerdings für meine Verhältnisse ziemlich schnell ausgelesen, obwohl diese Literatur nur fürs Quartier gedacht war, unterwegs begleitete mich der Band 179 aus „Reclams Universal-Bibliothek“, die 21. Auflage, „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht. Historisch ist die Handlung im Band ca. 100 Jahre nach Luther angesiedelt und spielt in Italien. Auch wenn es viele Parallelen gibt, letzteres soll hier nicht Gegenstand sein, genauso wenig wie das dritte Buch welches ich in Angriff genommen habe, durchaus zu den zwei Büchern passt, allerdings in der Gegenwart spielt.

Bildung und Erkenntnis sind ein Thema welches die verschiedensten Jahrhunderte durchzieht, eigentlich die gesamte Menschheitsgeschichte begleitet, ja die Entwicklung der Menschen entscheidend beeinflusst. Letztlich entpuppt sich eine jegliche Bildungsfrage als eine Machtfrage, welches diese Bücher sehr schön veranschaulichen.
„Der Luther-Roman“ lässt sich sehr gut lesen, der rote Faden geht nie verloren, auch wenn manche Wendung vollzogen wird. Anschaulich wird das Leben Luthers geschildert, eines Menschen, welcher als Produkt seiner Zeit, mit den Widersprüchen dieser Zeit permanent konfrontiert wird und an diesen gelegentlich zu zerbrechen droht. Seine Stärken und Schwächen kommen zum Tragen und das nicht ohne Folgen für viele seiner Mitmenschen, Förderer, Widersacher, Anhänger. Die Rolle Luthers wird treffend in die Zeit eingeordnet, es werden Grenzen aufgezeigt, aber auch die Ursachen derselben. Im Roman wird Luther nicht idealistisch verklärt, sondern in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit im Kontext einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche gesehen. Er wird als Mensch dargestellt, welcher geprägt von seiner Umwelt mehr ein getriebener als ein treibender ist. Der Roman gewährt Einblicke in seine Kindheit und Jugend, in seine Studienzeit und die Umstände, welche Luther veranlassten in ein Kloster zu gehen. Eindrücklich wird sein weiterer Werdegang geschildert und die Kräfte, welche sein Handeln bewegten, diese waren allerdings weniger göttlicher Art, als gesellschaftlichem Sein geschuldet. Seine Rolle in den Machtkämpfen seiner Zeit, aber auch sein Versagen als Reformator, welcher auf halbem Wege stehen geblieben ist und so die Möglichkeit verpasste die christliche Religion zur Religion der Menschen zu machen, sie ihres herrschenden, beherrschenden Charakters zu berauben und befreiende Wirkung zu entfalten. Die herrschenden Verhältnisse im Reich waren für Luther kein Grund der Kritik, sondern Gott gewollt. Somit verkündete er Gottes Gnade fürs Himmelreich, irdisches Sein sollte allerdings davon verschont bleiben, hier manifestierte er die herrschenden Verhältnisse und die damit verbundenen Folgen für die meisten Menschen, insbesondere die Bauern. Einer Auseinandersetzung zur Zeit der Bauernkriege mit Müntzer, welchen er von früheren Diskussionen in Wittenberg kannte, ist er aus dem Weg gegangen, im Gegensatz dazu hat er sich bei den Fürsten angebiedert. Letzteres hielt ihm allerdings nicht davon ab, im Laufe der Zeit Ansichten weiter zu entwickeln und Einstellung zu ändern, so zum Beispiel gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Auch spiegelt der Roman das Verhältnis Luthers zu den Juden, welches durchaus hoffnungsschwerer Wandlungen unterworfen war.

Interessant ist dieses Buch auch im Zusammenhang mit dem 500 jährigen Jubiläums des Thesenanschlages an das Tor der Wittenberger Schlosskirche im Jahre 1517. Ein Roman also, welcher Einblicke in die Geschichte der Reformation, ihrer Ursachen und Beweggründe gibt, die treibenden Kräfte benennt, kurzweilig zu lesen und passend zur Lutherdekade erschienen ist. Und nicht nur Inhaltlich, sonder auch sprachlich ein anspruchvolles Buch!

Th. Loch

 

 

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