Magdeburger Friedensfestival – „Die DDR-Wirtschaft – von den Anfängen bis zur Treuhandanstalt“.
Der Landesverband des Deutschen Freidenker-Verband Sachsen-Anhalt beteiligt sich in diesem Jahr wieder am Magdeburger Friedensfestival. Zum einen wird der Verband mit einem Stand vor Ort sein, aber auch ein Zelt betreuen, in welchen Veranstaltungen organisiert, durchgeführt und betreut werden. Zu einer Veranstaltung wurde Uwe Trostel eingeladen, er wird ein Referat halten und anschließend ist eine Diskussion zum Thema geplant. Der Vortrag ist überschrieben mit: „Die DDR-Wirtschaft – von den Anfängen bis zur Treuhandanstalt“.
Schwerpunkte dieses Vortrages sind:
– die problematischen Ausgangsbedingungen, insbesondere Reparationen und Cocom mit ihren anhaltende Auswirkungen,
– das ununterbrochene jährliche Wachstum der Wirtschaft der DDR,
– die DDR-Wirtschaft exportiert in nahezu alle Länder der Welt,
– die DDR-Wirtschaft erfüllt (bis zur Einführung der D-Mark) alle nationalen und internationalen Verpflichtungen,
– das gewaltige Wohungsbauprogramm und seine Schattenseiten,
– die großen Probleme der DDR-Wirtschaft, insbesondere die Beziehungen zum kapitalistischen Ausland und zur UdSSR, die sinkende Akkumulationsrate und die auf Verschwendung ausgerichtet Preispolitik;
– der Zusammenbruch, DM-Wirkungen und Teuhandanstalt;
– Schlussfolgerungen und Erfahrungen aus der DDR-Wirtschaft, die bei der künftigen Entwicklung eine Rolle spielen können.
Samstag, 05.09.2026, 18:00 Uhr – 7. Magdeburger Friedensfestival im Unterhorstweg 26.
Anmerkung: Warum dieses Thema auf einem Friedensfestival? Ich könnte sagen, weil die DDR ein Staat des Friedens war und ein Garant für diesen in Europa. Sie war der einzige deutsche Staat, von dem nie ein Krieg ausgegangen, der nie einen Krieg gegen andere Völker geführt, nie einen Krieg vorbereitet, aber gut auf einen Krieg vorbereitet war. Letzteres war notwendig um den Frieden zu sichern und wurde der DDR von ihrem Gegner zum Vorwurf gemacht. *
Nach Untergang des sozialistischen Lagers in Europa war es mit der langen Periode des Friedens nach dem zweiten Weltkrieg in Europa relativ schnell vorbei, Jugoslawien wurde überfallen und die NATO bis an die russische Grenze ausgedehnt. Der Hegemon der westlichen Wertegemeinschaft bestimmt die Politik (gibt die Regeln der regelbasierten Ordnung vor) und EU-Europa wird als Kanonenfutter aktuell in einem Maße aufgerüstet, wie es lange Zeit nicht denkbar war, um es auf dem Altar des Kapitals zu opfern. Gegenwärtig werden ein noch territorial beschränkter Krieg mit Hilfe eines Stellvertreters gegen Russland geführt, Erfahrungen in der Kriegsführung gesammelt und weitere Kriegsschauplätze vorbereitet.
Aber nicht nur in diesem Zusammenhang ist es wichtig sich mit der deutschen, speziell auch mit der Geschichte der DDR zu beschäftigen, sie aufzuarbeiten ist ein Gebot der Zeit, um zu erkennen, was zum Scheitern der größten Friedensinitiative (des Sozialismus) in der Menschheitsgeschichte beigetragen hat. Da die Ökonomie, die Wirtschaft die Basis jeden gesellschaftlichen Seins ist, spielt deren Entwicklung eine besondere Rolle, nicht nur in der Vergangenheit, in der Gegenwart, sondern auch in der Zukunft.
Gerade was die wirtschaftliche Entwicklung der DDR betrifft, wurde herausragendes geleistet in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg. Industrie war nicht in dem Maße vorhanden wie in den westlichen Besatzungszonen, vieles musste neu geschaffen werden und es wurde geschaffen, es wurden die Reparationen gegenüber der UdSSR komplett geleistet, es wurde eines der besten Bildungssystem der Welt aufgebaut, die Bevölkerung war nach heutigen Maßstäben allgemein sehr gut gebildet und verfügte über herausragende Fähigkeiten und Fertigkeiten. In den Betrieben war der Facharbeiter Standard, Ausbildung für jeden garantiert. Es wurden sehr gute Voraussetzungen für weitere wirtschaftliche Entwicklungen geschaffen und trotzdem ist der Sozialismus in der DDR gescheitert. Die Gründe sind komplex, es gibt äußere und innere Ursachen und innerhalb einer gesellschaftlichen Formation wirkende Widersprüche, welche im Fall der DDR keine antagonistischen waren, sondern durchaus lösbare.
Nicht zu vergessen, dass Geschichte sich im zick-zack bewegt, nicht gradlinig verläuft, es Fortschritt, Stagnation und Rückschritt gibt. Und nur wer sich für Geschichte interessiert, sich mit dieser beschäftigt, wird auch eine Zukunft haben, wer sich für Geschichte nicht interessiert, hat keine Zukunft, weil ihm die Lehren aus der Geschichte fehlen! Aber auch weil unsere heutigen Probleme ihre Ursachen in der Vergangenheit haben. Zudem gibt es historische Parallelen, für einzelne Phasen gesellschaftlicher Entwicklungen, insbesondere auch für unsere aktuelle Epoche, welche zumindest im US-amerikanisch dominierten System eine Epoche des Niedergangs ist. Was ist also notwendig diesen Niedergang zu beenden und zwar so, dass es nicht zu irreparablen Schäden kommt, wie sie durch die aktuelle Politik der USA, EU-Europas, insbesondere auch der BRD provoziert werden. Und was ist Notwendig um dergleichen Entwicklungen in Zukunft von vornherein entgegenzuwirken?
Ein kluger Mensch hatte einmal sinngemäß festgestellt, „der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen,“ der Imperialismus, als die höchste Phase des Kapitalismus, kann ohne Regen nicht sein, welcher beständig an Heftigkeit zunimmt, sich als Flut entfaltet, in der Lage alles zu vernichten was die Menschheit in den letzten Jahrtausenden geschaffen.
Passend ein Zitat von Uwe Steimle aus einem Interviews mit der Ostdeutschen Zeitung, im Zusammenhang mit jüngsten Ereignissen auch auf Grund des Singgens der Nationalhymne der DDR: „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus – Heimat, Volk, Familie und an oberster Stelle: Frieden – das war in der DDR Staatsdoktrin.“
Th. Loch
Wilhelm Busch: FUCHS UND IGEL *
Ganz unverhofft an einem Hügel sind sich begegnet Fuchs und Igel. Da sprach der Fuchs: „Du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? Ist nicht der Friede längst verkündigt? Und weißt du nicht, dass jeder sündigt, der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät: Komm her und übergib dein Fell!“
Da sprach der Igel: „Nur nicht so schnell! Lass dir erst deine Zähne brechen, dann wollen wir uns weiter sprechen!“ Und also bald macht er sich rund, schließt seinen dichten Stachelbund und trotzt getrost der ganzen Welt: bewaffnet, doch als Friedensheld!
17:58
Die DDR Wirtschaft hatte 3 Säulen, Autarke Belieferung des Binnenbedarfs, Versorgung des wesentlichen Rohstoff und steigenden Energiebedarfs aus SU Import, Gestaltung von exportorientierten Wirtschaftsbereichen, die notwendige Importe ermöglichen. Zeitgleich wurden 2 Hauptströme gekündigt: 1. Importe aus der SU ohne Devisen, 2. Exporte in das NSW(BRD) zu unhaltbaren Konditionen( Beginn der Globalisierung und ungewinnbarer Preiskampf gegen Asien. Das führte zum Ende, weil es keine Lösung gab. Ironie der Geschichte: die gleichen Wirkungen treten 40 Jahre später für den vermeintlichen Sieger ein.
18:14
Danke für den Kommentar, die Veranstaltung wird interessant, vor allem, da es die verschiedensten Vorstellungen von der Wirtschaft in der DDR gibt und es der Klarheit bedarf. Sicher kann der Referent für Aufklärung sorgen und zu interessanten Diskussionen anregen.
So wie Sie es beschreiben, … nun ja, es kann so gesehen werden, aber war es auch so?
Die Ironie der Geschichte, dass die BRD heute vor der (selben?) Deindustrialisierung steht wie einst die DDR, auf Grund bundesdeutscher Politik, ist gegeben, kommt allerdings nicht überraschend, es sind andere Akteure und politische Beweggründe welche die aktuelle Deindustrialisierung befördern.
Mit der Globalisierung, welche gern als Trojanisches Pferd herhalten muss, um zu begründen die eine und andere ökonomische Entwicklung, ohne die eigentlichen Ursachen zu finden, ist es nicht so einfach, denn die Kräfte des Kapitals agieren nicht erst seit gestern global. Die Globalisierung kommt nicht einfach so daher, sondern ist ein Ergebnis der sich entwickelnden ökonomischen Verhältnisse, sie entwickelt sich mit diesen und beeinflusst diese in ihrer Entwicklung selbst.
Nicht zu vergessen, vor allem ist die Globalisierung der fortschreitenden Produktivkraftentwicklung und damit verbundenen Arbeitsteilung geschuldet. Ideologisch wird der Gaul der Globalisierung seit Untergang des sozialistischen Lagers besonders intensiv geritten, allerdings eher in Form eines Regenbogen speienden Einhorns, nicht in der eines Ackergauls.
Der Unterschied der heutigen Deindustrialisierung zur Deindustrialisierung der DDR besteht darin, dass die Deindustrialisierung der DDR politisch gewollt war und von den herrschenden Kräften in der BRD betrieben, die gegenwärtige Deindustrialisieren zwar auch mittels politischer Erwägungen befeuert wird, ihre Ursache tiefer zu suchen ist, es ist die zunehmende Unfähigkeit des Kapitalismus die Entwicklung der modernen Produktivkräfte zu beherrschen.
Was die von Ihnen genannten drei Säulen der DDR-Wirtschaft betrifft, nun ja, diese sind wohl eher ins Reich der Fantasie zu verbannen, allein schon weil eigentliche Grundlagen wirtschaftlicher Entwicklung auf Punkte verengt werden, welche durchaus ein Rolle spielten, allerdings nur eine. Für ein Land, welches selbst an Rohstoffen arm, ist deren Bezug sicher wichtig, auch stimmt es das die Sowjetunion ein bedeutender Rohstofflieferant für die Volkswirtschaft der DDR gewesen, wobei die Verflechtungen dieser zwei Volkswirtschaften über dieses weit hinaus gingen, auf die Rohstofflieferungen nicht zu beschränken sind. Zudem hat die DDR keinen geringen Anteil an der Schaffung von Infrastruktur zur Rohstofflieferung im sozialistischen Lager. Hinter den Wirtschaftsbeziehungen standen langfristige Verträge, welche nicht einfach gekündigt werden konnten und erst im Zuge der Deindustrialisierung der DDR ihre Bedeutung verloren. Das die wirtschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion nicht immer einfach waren, ist auch ein Punkt im Vortrag. Viele Errungenschaften der DDR im Handel mit der Sowjetunion wurden später auch von bundesdeutscher Seite weiter genutzt.
Was ihre zweite Säule anbelangt, der Export ins NSW, speziell in die BRD, wurde dieser von Seiten der BRD mit der Wende negiert, zum Zwecke der Beschleunigung der Deindustrialisierung und der Privatisierung des DDR Volksvermögens.
Die dritte Säule ist vor allem dem Umstand der sehr überstürzten Einführung der D-Mark in der DDR geschuldet. Alle von ihnen aufgezeigten Probleme sind im Zuge der Wende entstanden, als Folge der Übernahme des Territoriums der DDR in die Bundesrepublik. Das bedeutet nicht, dass es in der Volkswirtschaft der DDR keine Probleme gegeben hätte, diese wären allerdings im Sinne der Volkswirtschaft der DDR zu lösen gewesen. Was von den neuen Machthabern aber nicht gewollt war.
Der erste Punkt, die erste Säule, ist ein entscheidender Unterschied zur bundesdeutschen, kapitalistisch geprägten Volkswirtschaft, Regionalversorgung als Bestandteil von Versorgungssicherheit war eine Hauptaufgabe der Volkswirtschaft in der DDR. Die DDR hatte die Selbstversorgung der Bevölkerung mit allem Notwendigen gesichert, was für eine sozialistisch orientierte Volkswirtschaft normal, ist für eine kapitalistisch orientierte Volkswirtschaft eher eine Ausnahme, dort steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen nicht im Mittelpunkt gesellschaftlicher Bestrebungen, sondern der Profit und die Profitmaximierung. Das eine Volkswirtschaft, welche die Grundversorgung der Bevölkerung mit allem fürs Leben notwendigen in den Mittelpunkt stellt und nicht die Profimaximierung, gerade in den betreffenden Bereichen nicht so effizient agieren kann, wie eine Volkswirtschaft, wo die sichere Versorgung der Menschen dem Profiinteresse geopfert wird. Aber auch dieser Punkt hatte sich mit der Übernahme und der damit verbundenen Deindustrialisierung erledigt.