{"id":1322,"date":"2024-04-10T14:18:01","date_gmt":"2024-04-10T12:18:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=1322"},"modified":"2024-04-10T14:18:53","modified_gmt":"2024-04-10T12:18:53","slug":"die-deutsche-demokratische-republik-im-spiegel-ihrer-kombinate-ve-braunkohlenkombinat-bkk-senftenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=1322","title":{"rendered":"Die Deutsche Demokratische Republik im Spiegel ihrer Kombinate: VE Braunkohlenkombinat (BKK) Senftenberg"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><b>Die Deutsche Demokratische Republik im Spiegel ihrer Kombinate:<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><u><b>VE Braunkohlenkombinat (BKK) Senftenberg<\/b><\/u><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Die Energie- und Brennstoffwirtschaft der DDR z\u00e4hlte zu jenen volkswirtschaftlichen Bereichen mit extrem niedriger Grundfondseffektivit\u00e4t. (Fast nur Wasserwirtschaft war noch niedriger.) Diese ist das Verh\u00e4ltnis aus Produktionsumfang zu Investitionsaufwand. Die Umsiedlung, ggf. Umleitung von Fl\u00fcssen, Verkehr, Grundwasserhandhabung, der Aufschlu\u00df von Tagebauen mit Bewegung riesiger Abraummengen mu\u00dften erst einmal erbracht werden, bevor das erste Gramm Kohle gef\u00f6rdert werden konnte. 1964 betrug das Verh\u00e4ltnis von Abraum zu freigelegter Kohle 2,8:1, 1979 dann schon 4,5:1. F\u00fcr jeden Kubikmeter Kohle mu\u00dften also viereinhalb Kubikmeter Dreck bewegt werden. Pro Tonne Kohle waren 1970 3,2 und 1985 4,5 Kubikmeter Erde m\u00f6glichst so umzulagern, da\u00df die Restlandschaft gut rekultiviert werden konnte. 1971 betrugen so die Gewinnungskosten f\u00fcr eine Tonne Rohbraunkohle 6,33 Mark. Bis 1988 sollten sie sich (Plan 1979) auf etwa 9,70 Mark erh\u00f6hen. In den 1970er Jahren deckten die Amortisationen nur die H\u00e4lfte der notwendigen Investitionen ab. 1979 mu\u00dften 30% des gesamten Investitionsvolumens der DDR f\u00fcr die Erweiterung der energetischen Basis aufgewendet werden. Denn: Bedingt durch die Notwendigkeit, mit weniger Erd\u00f6l auszukommen, erh\u00f6hte sich die Braunkohlef\u00f6rderung zu Beginn der 1980er Jahre noch einmal sprunghaft. In Millionen Tonnen gerechnet stieg sie von 1950 mit 137, 1955 mit 201, 1960 mit 225 auf 251 1965 und 261 1970 an, fiel dann wegen der st\u00e4rkeren Verf\u00fcgbarkeit sowjetischen Erd\u00f6ls auf 246 1975 ab. 1980 wurden noch 258, 1985 schon 312 und 1989 301 Millionen Tonnen Rohbraunkohle in der DDR gef\u00f6rdert. Mit 296,3 Millionen Tonnen abgebauter Braunkohle war 1984 die DDR nicht nur gr\u00f6\u00dfter Braunkohleproduzent der Welt, sondern grub allein ein Viertel der gesamten Weltproduktion aus der Erde. Der Anteil der Braunkohle am Prim\u00e4renergieverbrauch der DDR betrug 1980 60,2%.<\/b><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">Das wichtigste Abbaurevier war die Lausitz, wichtiger noch als die F\u00f6rderung im BKK Bitterfeld in den Bezirken Halle und Leipzig. Die Lausitzer Braunkohlenfelder dehnten sich urspr\u00fcnglich \u00fcber ca. 360 000 ha aus. Davon sind bis heute ungef\u00e4hr 23% im Tage- oder Tiefbau abgebaut worden. Von der Bergbaufl\u00e4che befinden sich zwei Drittel in Brandenburg und ein Drittel in Sachsen. Die Lausitzer Braunkohlenwerke (BKW) in Brieske, Senftenberg und Gro\u00dfr\u00e4schen wurden 1968 im neugebildeten Braunkohlenkombinat Senftenberg zusammengeschlossen. 1988 sicherte das Kombinat 60% des DDR-Bedarfs an Braunkohle. Folgerichtig nannte man den Bezirk Cottbus, der fast alle F\u00f6rdergebiete umfa\u00dfte und sich aus Teilen der heutigen L\u00e4nder Sachsen und Brandenburg zusammensetzte, den \u201eKohle- und Energiebezirk\u201c der DDR. Im Unterschied zum Revier Halle-Leipzig-Bitterfeld-Zeitz gab es im Bezirk Cottbus kaum gewachsene andere Industrien wie die Chemie oder den Maschinenbau. F\u00fcr die Entwicklung dieser vor 1945 sehr armen Gegend mit gro\u00dfem Anteil sorbischer Bev\u00f6lkerung hatte der Braunkohlenbergbau somit gro\u00dfe Bedeutung.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das BKW Senftenberg war der Kombinats-Stammbetrieb, dem u.a. auch ein Bereich Konsumg\u00fcter mit g\u00e4rtnerischer Produktion angeschlossen war. (Jedes Kombinat hatte die Pflicht, mindestens 5% der Warenproduktion mit Konsumg\u00fctern zu realisieren. Das war sicherlich ein Fehler, der die Arbeitsproduktivit\u00e4t verringerte. Denn damit wurde die Spezialisierung und Arbeitsteilung in der Volkswirtschaft negiert. Besser w\u00e4re, wenn jeder Betrieb erzeugt, was er besonders gut kann, bei einem BKW also Kohle.) Neben Brikettfabriken (wie Fortschritt, Impuls, Morgenrot oder Tatkraft), Kokereien und Kraftwerken z\u00e4hlten am Ende der 1980er Jahre 15 Tagebaue zum VE BKK Senftenberg, u.a. Meuro, Senftenberg\/Nord und Koschen im Stammbetrieb, Sladow und Gro\u00dfr\u00e4schen\/S\u00fcd. Sie waren, au\u00dfer im Stammbetrieb, in den BKW Welzow, Cottbus, Gl\u00fcckauf und Oberlausitz sowie im VEB BuS Welzow organisiert.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Heizwert (Energieinhalt pro Masse) von Erd\u00f6l ist ca. viereinhalb mal h\u00f6her als der von Braunkohle. Der Transportaufwand war somit hoch: Der Anteil der Kohle- und Kokstransporte an der Versandmenge der Deutschen Reichsbahn stieg von 28,8% 1978 auf 34,3% 1985. In absoluten Zahlen bedeutete das einen Anstieg um 44% innerhalb eines reichlichen F\u00fcnfjahrplans. Die SED versuchte den Transport dadurch planm\u00e4\u00dfig gering zu halten, da\u00df die Kohleverarbeitung in der N\u00e4he der F\u00f6rderung erfolgte (z.B. im Gaskombinat Schwarze Pumpe). So wurde die Kohle aus dem 1956 aufgeschlossenen Tagebau Meuro etwa in dem nach f\u00fcnfj\u00e4hriger Bauzeit 1967 er\u00f6ffneten Kraftwerk Brieske und der Brikettfabrik Fortschritt verarbeitet. Jene wiederum wurde auch vom Kraftwerk Brieske versorgt und erzeugte die bekannten Fortschritt-Braunkohlenbriketts. Die Brikettfabrik Tatkraft wurde vom Tagebau Gro\u00dfr\u00e4schen S\u00fcd versorgt. Wenn eine Versorgung aus unmittelbarer N\u00e4he nicht mehr m\u00f6glich war, weil die Vorr\u00e4te sich ersch\u00f6pft hatten (1966 Niemtsch), wurden auch Fabriken geschlossen, so 1986 die Brikettfabrik Morgenrot nach \u00fcber einhundertj\u00e4hriger Betriebsdauer. 1980 war der Tagebau Sedlitz ausgekohlt, der Zentrum eines eigenen BKW gewesen war. Bereits 1966 bis 1972 war der ehemalige Tagebau Senftenberg geflutet worden. 1973 konnte er als Naherholungsgebiet Senftenberger See er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das BKK Senftenberg unterstand dem Ministerium f\u00fcr Kohle und Energie. Seine Kumpel erhielten f\u00fcr ihre harte Arbeit neben einem \u00fcberdurchschnittlichen Lohn noch Schichtzuschl\u00e4ge, Bergmannsgeld, \u201eDeputate\u201c (also Kohle f\u00fcr zu Hause) und den bekannten 32-prozentigen Bergmannsschnaps (\u201eKumpeltod\u201c), jedenfalls wer im Au\u00dfenbereich oder unter erschwerten Bedingungen arbeitete. Mit der BSG Energie Cottbus verf\u00fcgten sie \u00fcber eine Fu\u00dfballmannschaft, die erst nach dem Ende der DDR unter unserem vormaligen Nationaltrainer Eduard Geyer ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge feierte. Der SC Cottbus hingegen brachte vor allem Radsportler, Turner, Leichtathleten und Boxer von Weltklasse hervor (u.a. die Olympiasieger Rosemarie Ackermann, Lutz He\u00dflich, Lothar Thoms, aber auch Dreifach-Weltmeister Bernd Drogan oder Weltmeister und Friedensfahrtsieger Hans-Joachim Hartnick).<\/p>\n<p align=\"justify\">W. Fischer<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-613\" src=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese-203x300.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese-203x300.jpg 203w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese-694x1024.jpg 694w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese-768x1134.jpg 768w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese-1041x1536.jpg 1041w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/11teTese.jpg 1084w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Deutsche Demokratische Republik im Spiegel ihrer Kombinate: VE Braunkohlenkombinat (BKK) Senftenberg Die Energie- und Brennstoffwirtschaft der DDR z\u00e4hlte zu jenen volkswirtschaftlichen Bereichen mit extrem niedriger Grundfondseffektivit\u00e4t. 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