{"id":1326,"date":"2024-04-17T22:42:06","date_gmt":"2024-04-17T20:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=1326"},"modified":"2024-04-17T22:42:06","modified_gmt":"2024-04-17T20:42:06","slug":"die-deutsche-demokratische-republik-im-spiegel-ihrer-kombinate-ve-braunkohlenkombinat-bkk-bitterfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=1326","title":{"rendered":"Die Deutsche Demokratische Republik im Spiegel ihrer Kombinate:  VE Braunkohlenkombinat (BKK) Bitterfeld"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><u><b>VE Braunkohlenkombinat (BKK) Bitterfeld<\/b><\/u><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Zentraler Zweig der Grundstoffindustrie ist die Energiewirtschaft. Auf dem Territorium der DDR stand als einheimischer fossiler Energietr\u00e4ger nur die Braunkohle in so gro\u00dfen Mengen zur Verf\u00fcgung, da\u00df ihre Nutzung langfristig angelegt werden konnte. Die Braunkohle entstand im geologischen Zeitalter Terti\u00e4r im n\u00f6rdlichen Vorland der sich auffaltenden Bruchschollengebirge. Ihre intensive Ausbeutung begann sogleich mit der Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Das hatte zur Folge, da\u00df die leicht abbaubaren oberfl\u00e4chennahen Vorkommen bereits in der zweiten H\u00e4lfte des vorletzten Jahrhunderts aufgebraucht waren. Man ging daher zunehmend zum Untertageabbau der Braunkohle \u00fcber. 1885 wurden im Kohlerevier um Halle, Leipzig und Bitterfeld drei Viertel der Kohlenf\u00f6rderung untert\u00e4gig erbracht. Um 1900 erfolgte eine Trendumkehr: Nunmehr schlo\u00df man auch tiefer liegende Fl\u00f6ze (Schichten mit Kohle) im Tagebau auf. Im Tagebau Amsdorf etwa tauchen noch heute inmitten der abzubaggernden Schichten die Reste des Untertage-Altbergbaues auf. Obwohl der DDR also gen\u00fcgend Braunkohle zur Verf\u00fcgung stand, mu\u00dften wir mit durchschnittlichen Fl\u00f6zst\u00e4rken von 30 Metern klarkommen, w\u00e4hrend in Westdeutschland auf Fl\u00f6ze von bis zu 300m M\u00e4chtigkeit zugegriffen werden konnte. Das Verh\u00e4ltnis Abraum zu Kohle war also gro\u00df und verschlechterte sich besonders im Verlaufe der 1980er Jahre immer weiter. Die Braunkohlenf\u00f6rderung wurde in zwei Kombinaten organisiert.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">1969 wurde das Volkseigene Braunkohlenkombinat Bitterfeld (BKK Bitterfeld) gebildet. Es umfa\u00dfte schlie\u00dflich ca. 30 000 Arbeitskr\u00e4fte. (Davon wurden 15000 allein im Bitterfelder Raum im Gefolge der Wende arbeitslos.)<\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more-->Den Stammbetrieb des Kombinates etablierte man in Bitterfeld. Dazu vereinigte man das 1958 gebildete Braunkohlenwerk (BKW) \u201eEinheit\u201c mit dem daraus 1961 abgespaltenen BKW \u201eMulde-Nord\u201c erneut. Zum BKW \u201eEinheit\u201c geh\u00f6rten die Tagebaue Freiheit I, II und III, Holzwei\u00dfig-Ost, Golpa I, II, III und IV, Muldenstein und Edderitz sowie sechs Brikettfabriken. Die Tagebaue Muldenstein und Golpa-Nord z\u00e4hlten zum BKW \u201eMulde-Nord\u201c. St\u00e4ndig wurden ausgekohlte Tagebaue rekultiviert, die Gro\u00dfger\u00e4te aufwendig umgesetzt und neue Baufelder aufgeschlossen. Erst am 1.12.1986 beispielsweise wurde im Tagebau Breitenfeld die Kohlef\u00f6rderung inbetriebgenommen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dem BKK Bitterfeld wurden s\u00e4mtliche in Braunkohlenwerken zusammengefa\u00dften Braunkohlentagebaue und Brikettfabriken der DDR-Bezirke Halle und Leipzig angegliedert, vom BKW Deuben mit 4000 Besch\u00e4ftigten in der Brikettfabrik Deuben und dem Tagebau Profen bis zum VEB ROMONTA Amsdorf, von Schleenhain bis Espenhain. Zu den BKW geh\u00f6rten bisweilen Kraftwerke und Kokereien. In Amsdorf wurde aus der dortigen hochwertigen Braunkohle Naturwachs gewonnen, daher der Name: ROMONTA = Rohmontanwachs. Bei Bitterfeld wurde zus\u00e4tzlich zur Kohle Bernstein gewonnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Allgemein sank aber mit der steigenden F\u00f6rderung die durchschnittliche Qualit\u00e4t der Kohle. Der Schwefel- und der Sandanteil stiegen. Erforderlich war daher eine qualit\u00e4tsgerechte Sortierung. Gute Kohle wurde zu Briketts verpre\u00dft, schlechte als Rohkohle in Kraftwerken verfeuert. Auch die unter dem Markennamen \u201eRekord\u201c vertriebenen Briketts wurden sortiert. Die besten Deubener Briketts gingen beispielsweise an die Th\u00fcringer Porzellanfabriken.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie bei vielen Kombinaten wurden dem BKK auch Betriebe angegliedert, die zwar mit der Hauptproduktion verflochten waren, jedoch nicht direkt dem Produktionsprofil entsprachen. Das war beim 1983 angeschlossenen VEB Brunnenfilter Bitterfeld der Fall. Dieser \u00fcbernahm f\u00fcr das Kombinat die Konsumg\u00fcterproduktion (Steingutt\u00f6pfe, -vasen etc.), die unabh\u00e4ngig vom eigentlichen Sortiment von jedem Kombinat zu erbringen war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie aufwendig die Braunkohlenutzung war, verr\u00e4t ein Blick auf den Tagebau Gr\u00e4fenhainichen, heute \u201eFerropolis\u201c. Er belieferte zu DDR-Zeiten die zwei Gro\u00dfkraftwerke Vockerode und Zschornewitz. Da die Abraum- und Kohlebagger, F\u00f6rderbr\u00fccken, Grubenbahnen usw. alle elektrisch betrieben wurden, verschlang der Tagebau allein ein Drittel der Stromproduktion von Vockerode. Ein Sechstel der Kohle wurde also gebraucht, um \u00fcberhaupt Kohle zu f\u00f6rdern. Zudem verschlissen die Bolzen in den Baggerketten sehr schnell und mu\u00dften alle zwei Wochen erneuert werden. Die Kraftwerke hatten nur eine Lagerhaltung von sechs Stunden. Traten St\u00f6rungen auf, mu\u00dften sie also auf jeden Fall in sechs Stunden behoben sein. So mu\u00dften gro\u00dfe Mannschaften von Betriebshandwerkern dreischichtig bereit stehen. In kalten Wintern fror die sehr wasserhaltige Braunkohle an F\u00f6rderb\u00e4ndern, Waggons usw. fest und mu\u00dfte von Hand abgeschlagen werden. Daher wurden in den Wintern 1985\/86 und 1986\/87 jeweils starke Kr\u00e4fte von Nationaler Volksarmee und Deutscher Volkspolizei in den Winterkampf geworfen, um diese Arbeiten zu erledigen und auch den Bahntransport abzusichern. Im Februar 1987 gab es in der ganzen DDR nur eine einzige voll einsatzf\u00e4hige VP-Bereitschaft (\u201eHans Beimler\u201c Halle, 6.), alle anderen waren in der Volkswirtschaft t\u00e4tig.<\/p>\n<p align=\"justify\">Braunkohle l\u00e4\u00dft sich auch schwerer verarbeiten als hochwertigere Kohle, Erdgas oder gar Erd\u00f6l. Dennoch rechnet man heute, da\u00df sich in verschiedenen asiatischen L\u00e4ndern ab einem Erd\u00f6lpreis von 50 bis 60 Dollar pro Fa\u00df (159 Liter) Treibstofferzeugung durch Kohlehydrierung lohnt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Unsere DDR-Elektroenergie war hart, aber ehrlich erarbeitet. Wir haben nicht fremden L\u00e4ndern deren Rohstoffe geraubt oder abgepre\u00dft.<\/p>\n<p align=\"justify\">W.Fischer<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1327\" src=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant-300x130.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant-300x130.png 300w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant-1024x443.png 1024w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant-768x332.png 768w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant-1536x665.png 1536w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Screenshot-2024-04-17-at-21-55-11-VE-Braunkohlenkombinat-Bitterfeld-\u2013-Qwant.png 1819w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VE Braunkohlenkombinat (BKK) Bitterfeld Zentraler Zweig der Grundstoffindustrie ist die Energiewirtschaft. 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