{"id":196,"date":"2015-07-12T13:10:39","date_gmt":"2015-07-12T11:10:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=196"},"modified":"2015-07-12T13:10:39","modified_gmt":"2015-07-12T11:10:39","slug":"die-indianer-nordamerikas-die-geschichte-eines-voelkermordes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=196","title":{"rendered":"Die Indianer Nordamerikas -die Geschichte eines V\u00f6lkermordes-"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach der anfangs noch langsamen aber nachhaltigen Besiedlung der nordamerikanischen K\u00fcstengebiete durch Engl\u00e4nder, Holl\u00e4nder und Franzosen wurde nach der Unanh\u00e4ngigkeit der USA die Eroberung des Westens (westlich der Appalachen) in Angriff genommen. Dabei wurden immer wieder auch \u201ebiologische\u201c Waffen eingesetzt. Die von der Regierung beauftragten Agenten lieferten gerne auch mal mit Pocken verseuchte Decken aus den Pest-H\u00e4usern der K\u00fcstenst\u00e4dte und ganze St\u00e4mme wurden mangels nat\u00fcrlichen Immunschutzes ausgerottet. Erinnern wir uns an die Zeit vor der Unanh\u00e4ngigkeit. 1756 im gro\u00dfen Krieg der Franzosen (Kanada) gegen die Engl\u00e4nder, wurden auch die St\u00e4mme im jeweiligen Machtbereich aufeinander gehetzt. Das Skalpieren \u2013 eine Technik aus dem schottischen Hochland \u2013 wurde zum Inbegriff \u201eindianischer Grausamkeit\u201c. Das die Briten die Indianer mit Schnapspr\u00e4mien f\u00fcr franz\u00f6sische Skalpe k\u00f6derten &#8211; ebenso umgekehrt, wen interessierte das. Nach dem Sieg der Engl\u00e4nder vor Quebec wurde der gesamte Bereich britisch, aber die restriktiven Zollgesetze und andere Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen der Kolonialherren f\u00fchrten wenig sp\u00e4ter zum Unabh\u00e4ngigkeitskrieg von 1776. Beim n\u00e4chsten Krieg der USA gegen die Briten (1812) hofften einige der n\u00f6rdlichen St\u00e4mme auf Hilfe der in Kanada stationierten britischen Truppen. Tecumseh steht f\u00fcr den verzweifelten Versuch der Indianer, auf diese Weise die vordringenden amerikanischen Siedler zu stoppen. Nach der Niederlage der Briten vor New Orleans und an den Gro\u00dfen Seen wurden die St\u00e4mme aufgerieben. Man eroberte Florida von den Spaniern (1819) vertrieb die dort ans\u00e4ssigen Seminolen oder brachte sie gleich um und begann 1820 mit der INDIAN REMOVAL BILL unter Pr\u00e4sident Jackson, mit den Zwangsumsiedlungen der im Mittleren Westen lebenden Indianer-St\u00e4mme. Der Spruch \u201eNur ein toter Indianer ist ein guter Indianer\u201c stammt aus diesen Jahren. Dieses aggressive Vorgehen brachte die St\u00e4mme an den Rand des Untergangs. Im Vorfeld des drohenden Konfliktes mit Mexiko eroberte man den S\u00fcden (Texas, Kalifornien und Teile der sp\u00e4teren Staaten New Mexiko und Arizona) und damit verdr\u00e4ngte man auch dort die Indianerst\u00e4mme. Im Krieg 1846\/48 wurde im S\u00fcden der Rio Grande die Grenze zu Mexiko. Andere, innere Probleme bescherten den USA den B\u00fcrgerkrieg. Wieder k\u00e4mpften auch Indianer auf beiden Seiten als Scouts und Irregul\u00e4re. Nach dem Krieg stellte die USA eine Neue Kavallerie-Truppe aus den entwurzelten und entmenschten Veteranen des B\u00fcrgerkriegs auf und nun hatte man Zeit sich dem Indianerproblem voll zuzuwenden. Die Pr\u00e4misse war: Die Roth\u00e4ute nutzen ihren fruchtbaren Boden ja doch nicht, das Gold in ihren Bergen und andere Bodensch\u00e4tze ebenso nicht.<br \/>\nAlso wurde gelogen, betrogen und gemordet. Vertr\u00e4ge wurden gebrochen, ehe noch die Tinte trocken war. Gr\u00fcnde lieferten oft genug Provokationen von zwielichtigen H\u00e4ndlern oder Desperados und willige H\u00e4uptlinge unterschrieben so ziemlich alles, was man ihnen vorlegte. 1869 wurde die erste transnationale Eisenbahnverbindung fertig gestellt. Damit hatten die Indianer ihre letzten Chancen verloren.<br \/>\n<!--more-->So nebenbei verringerte man durch gezielten Massenabschuss der Bison-B\u00fcffel von der Eisenbahn aus, die in Millionen vorkommenden Tiere auf wenige Hundert. Damit war die Lebensgrundlage der Pr\u00e4riest\u00e4mme zerst\u00f6rt.<br \/>\nDie einzelnen, wenig erfolgreichen Angriffe auf das \u201eFeuerross\u201c oder \u201eDas eiserne Pferd\u201c dienten letztlich nur als Filmvorlage im sp\u00e4teren Hollywood. Alaska wurde zugekauft und im Nordwesten durch Vertr\u00e4ge (mit vorgehaltener Pistole) das Land vergr\u00f6\u00dfert. Die gleiche Vorgehensweise, wie zu Anfang des Jahrhunderts, als man von Frankreich Lousiana \u201ekaufte\u201c. Einen Landstrich vom Golf bis zu den Grossen Seen \u2013 nahezu der gesamte Mittlere Westen. Der letzte gro\u00dfe Schlag gelang den \u201etapferen\u201c Truppen 1890 am Wounded Knee, als man im Winter des Jahres einen kompletten Stamm mit Gatling-Kanonen (einem Vorl\u00e4ufer des MG) zusammenschoss und die wenigen \u00dcberlebenden in Missionsstationen Tage sp\u00e4ter ablieferte. Ein Denkmal erinnert dort heute an die 26 toten US-Kavalleristen und an ihren \u201etapferen\u201c Anf\u00fchrer, einen gewissen Fritz Hecker. Das diese durch eigenen Beschuss eben der Gatling- und Hotchkiss-Kanonen umkamen \u2026 wen interessierte das nachher. Erst <span style=\"color: #ff0000;\">1990<\/span> durften die Nachfahren die Toten-Zeremonie feierlich begehen. Ebenso wie damals w\u00fctete ein Schneesturm.<br \/>\nAber es gab auch erste Hilfsorganisationen wie die Indian Friendship Society.<br \/>\nMenschen aus allen Gesellschaftsschichten versuchten das Gewissen der Nation wachzur\u00fctteln, mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg wie wir heute wissen. Sitting Bull z.B. wurde vor seinem Zelt von einem bezahlten Indianerpolizisten seines eigenen Stammes ermordet. Vorher war er mit dem gr\u00f6\u00dften Zerst\u00f6rer indianischer Lebensr\u00e4ume Buffalo Bill Cody auf Welttournee, um der Welt die Indianer in Zirkusshows vorzustellen. In Deutschland bei Hagenbeck! F\u00fcr die USA war er immer der Wilde, der Custers Regiment am Little Big Horn weitestgehend vernichtete. Damit Staatsfeind.<br \/>\nSp\u00e4ter um die Jahrhundertwende entwarf man noch andere Ideen, die indianischen Einwohner zu vernichten. Kinder wurden willk\u00fcrlich weg gefangen und in \u201eMissions\u201c-Stationen ihrer traditionellen Kleidung und Frisur beraubt. Umerzogen, zu willf\u00e4hrigen Mitgliedern der USA, wurde ihnen beigebracht, wie unversch\u00e4mt ihre Leute gewesen waren, sich einfach den Wei\u00dfen entgegen zustellen. Erst im 21. Jahrhundert erinnerte man sich dieser Schandtaten in einem Hollywoodstreifen.<br \/>\nNach dem 1. Weltkrieg wurden mit Hilfe der Pioniereinheiten weite Teile der Everglades-S\u00fcmpfe in Florida trocken gelegt, um extensiven Ackerbau zu erm\u00f6glichen. Die restlichen Seminolen, die vom 3. Seminolenkrieg \u00fcbrig geblieben waren, mussten zusehen wie ihr Lebensraum immer mehr unter den Pflug kam. Erst Einw\u00e4nde wei\u00dfer Natursch\u00fctzer stoppten die Ma\u00dfnahmen. Es war wohl zu sp\u00e4t, denn heute zeigen sich die Folgen im ganzen Gebiet. Der nach dieser Aktion eingerichtete Nationalpark Everglades ist jetzt durch akuten Wassermangel gef\u00e4hrdet. In den 1920er entwickelte man aus den Programmen der Viehz\u00fcchter \u2013 \u00fcberlegene Rassen zu schaffen \u2013 ein Vernichtungsprogramm f\u00fcr Arme, Schwarze und Indianer. Zwangssterilisierung und radioaktive Bestrahlung von Indianerinnen bei Beh\u00f6rdenbesuchen, sollte die Geburtenrate verringern. \u00dcberraschenderweise fand dieses Programm wei\u00dfer Rassisten weltweites Interesse u. a. in Nazi-Deutschland. Weiterentwickelt und industriem\u00e4\u00dfig betrieben wurde es zu einem \u201eErfolg\u201c, den die Erfinder w\u00e4hrend ihrer Informationsbesuche in Deutschland geb\u00fchrend w\u00fcrdigten. Der Film vom \u201eunwerten Leben\u201c wurde in den USA zum Kassen-Erfolg, bis er in den 50ern verschwand !?<br \/>\nDas Programm wurde in den 50er abgeblasen, die Zwangsterilisationen von IndianerInnen <span style=\"color: #ff0000;\">erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts<\/span>.<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">1973<\/span> kam es in der N\u00e4he vom Wounded Knee zu einer spektakul\u00e4ren Aktion.<br \/>\nIndianer der Lakota-Reservation meuterten gegen ihre \u201eeigene\u201c Polizei im Reservat, sowie gegen Verwalter des Bureau of Indian Affairs. (BIA)<br \/>\nDer damalige Generalstabschef Alexander Haigh (sp\u00e4terer Au\u00dfenminister und Vizepr\u00e4sident) schickte zivil gekleidete Armee mit Panzern, Hubschraubern und Gas ! ! Es war ja kein Krieg.<br \/>\nDie H\u00e4ndlerfamilie des Reservates stellte sich freiwillig als Geiseln zur Verf\u00fcgung. Anf\u00e4ngliche Medienerfolge der Indianer wurden rasch zunichte gemacht und die immer noch vorhandene Uneinigkeit untereinander, verhinderte einen Erfolg. Am Ende waren etwa 80 der Demonstranten tot (zumeist durch bezahlte Killer und FBI-Agenten ermordet) und 3 der Anf\u00fchrer zu lebensl\u00e4nglich verurteilt. Der Gouverneur von Dakota erkl\u00e4rte damals \u00f6ffentlich:<br \/>\nMan h\u00e4tte sie in den Kopf schie\u00dfen sollen, wie das fr\u00fcher \u00fcblich war!<br \/>\nAnfang der 90er Jahre verhinderte er einen Begnadigungsakt durch Pr\u00e4sident Bill Clinton. Aber dieses Mal kam es zu einer riesigen Solidarisierungswelle in den USA. Erstmals wurde sich mit den <span style=\"color: #ff0000;\">371 gebrochenen Vertr\u00e4gen<\/span> seit 1812 befasst.<br \/>\nZu Beginn des 2. Irak-Krieges im M\u00e4rz 2003 verk\u00fcndete der Indianer Bund:<br \/>\nUnsere Bodensch\u00e4tze wurden seit 1813 (der erste \u201erechtskr\u00e4ftige\u201c Vertrag) treuh\u00e4nderisch verwaltet. Wir wissen, was \u201eTreuhand\u201c bedeutet. Wir bekamen nichts und uns geh\u00f6rt nichts! Der Irak muss wachsam sein!<br \/>\nJetzt zur Jahrtausendwende gibt es wieder 2,2 Mio. Ureinwohner, zum Gro\u00dfteil leben sie in H\u00fcttensiedlungen, mit Alkohol und Drogen ruhig gestellt. Ohne Zukunft und bestenfalls als Theater-Kulisse f\u00fcr zahlende Touristen. Die \u201eindianischen\u201c Kultgegenst\u00e4nde zum Verkauf, stammen durchweg aus fern\u00f6stlicher Massenproduktion. Dort sehen sie dann eine nahezu untergegangene Kultur, die sich angeblich wegen der so ger\u00fchmten physischen und psychischen Widerstandsf\u00e4higkeit der Indianer bis heute erhalten hat. Dabei ist die Lebenserwartung der Indianer die schlechteste in den USA \u2013 unter 50 Jahre \u2013 70% der Reservats-Siedlungen sind ohne flie\u00dfendes Wasser. Das Gesundheitsprogramm wurde von G.W. Bush jun. eingestellt. Das alles haben Generationen von Amerikaner und Einwanderer zu verantworten, die von Anfang an <span style=\"color: #ff0000;\">ausschlie\u00dflich mit Gewalt<\/span> \u201eGottes eigenes Land\u201c zu Eigen nahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewalt, ein Prinzip w\u00e4hrend der Entstehung der USA, w\u00e4hrend ihrer Expansion in den Westen, S\u00fcden und Nordwesten. Gewalt in den Beziehungen zu Lateinamerika, Asien und letztlich der gesamten Welt. Man fragt sich, welche Traditionen die Menschen in den USA deformiert haben. Und dieses Land will der ganzen Welt mit missionarischem Eifer und angeblicher Hilfe Gottes (?) eine Freiheit bringen, wie sie sie verstehen. Demokratie und Menschrechte, die sie selber beliebig anwenden oder auch nicht.<br \/>\nDas ist eine alte Politik, nach der der Flagge immer <span style=\"color: #0000ff;\">der Way of Life zu folgen hat<\/span>, ein Weg voller Tr\u00e4nen, Leid und ungez\u00e4hlten Toten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<span style=\"color: #0000ff;\">Walter Bornholdt<\/span><br \/>\nJuni 2006 &#8211; anl\u00e4sslich der Feier<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">40 Jahre DEFA \u2013 Indianerfilme<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der anfangs noch langsamen aber nachhaltigen Besiedlung der nordamerikanischen K\u00fcstengebiete durch Engl\u00e4nder, Holl\u00e4nder und Franzosen wurde nach der Unanh\u00e4ngigkeit der USA die Eroberung des Westens (westlich der Appalachen) in Angriff genommen. Dabei wurden immer wieder auch \u201ebiologische\u201c Waffen eingesetzt. 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