{"id":238,"date":"2016-10-27T02:55:30","date_gmt":"2016-10-27T00:55:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=238"},"modified":"2016-10-27T02:55:30","modified_gmt":"2016-10-27T00:55:30","slug":"luther-martin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=238","title":{"rendered":"Luther, Martin:"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-236 alignleft\" src=\"http:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0003-150x150.jpg\" alt=\"img_0003\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0003-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/IMG_0003-144x144.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>10.11.1483 in Eisleben geboren, starb er am 18.02.1546 in Eisleben. Luther ist eine der Pers\u00f6nlichkeiten von Weltgeltung in der deutschen Geschichte. Er wirkte als ein Wegbereiter der gro\u00dfen geistigen und politischen Auseinandersetzungen, mit denen Deutschland und Europa in die Epoche des Verfalls des Feudalismus, der Herausbildung des Manufakturkapitalismus und der ersten b\u00fcrgerlichen Revolution eintraten. Durch seinen Kampf gegen das Papsttum l\u00f6ste er die Reformation aus, die wesentlicher Bestandteil dieser Revolution wurde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nachdem er 1501 ein Studium an der Artistenfakult\u00e4t der Universit\u00e4t Erfurt aufgenommen und 1505 ein Jurastudium begonnen hatte, trat Luther 1505 in den Orden der Augustinereremiten in Erfurt ein und wurde dort mit dem Studium der Theologie beauftragt. 1507 erhielt er im Erfurter Dom die Priesterweihe. 1508\/09 war er Dozent f\u00fcr Moralphilosophie an der 1502 gegr\u00fcndeten Universit\u00e4t Wittenberg; 1509\/10 wieder in Erfurt, unternahm er 1510 eine Romreise im diplomatischen Auftrag des Ordens. Im Jahre 1512 promovierte Luther und wurde Professor der Heiligen Schrift in Wittenberg. Diese Professur hatte er bis an sein Lebensende inne.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am 31. Oktober 1517 trat Luther mit 95 Thesen \u00fcber den Ablass an die \u00d6ffentlichkeit und forderte zu einer Disputation auf. Mit dem Thesenanschlag datiert der Beginn der Reformation. 1518 wurde ein kirchenrechtlicher Prozess gegen Luther eingeleitet, in dem er als Ketzer angeklagt war. Die Leipziger Disputation mit Johannes Eck 1519 stellte den Primat des Papstes in Frage und bestritt die Irrtumslosigkeit der Konzilien. \u201eSermon den guten Werken\u201c, \u201eAn den christlichen Adel deutscher Nation von christlichen Standes Besserung\u201c, \u201eVon der babylonischen Gefangenschaft der Kirche\u201c, \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c sind die gro\u00dfen Reformationsschriften des Jahres 1520. In diesen verband Luther seine Theologie mit den Interessen des Adels und des B\u00fcrgertums, dabei zeichnete sich der Bruch mit der Papstkirche immer deutlicher ab. Im Dezember 1520 vollzog er ihn demonstrativ mit der \u00f6ffentlichen Verbrennung der p\u00e4pstlichen Bulle, die Luther den kirchlichen Bann androhte. 1521 wurde Luther als Ketzer gebannt und vor dem Reichstag in Worms zum Widerruf aufgefordert. Auch angesichts dieser gef\u00e4hrlichen Lage blieb Luther unbeugsam. Da er den Widerruf ablehnte, wurde die Reichsacht \u00fcber ihn verh\u00e4ngt. Der s\u00e4chsische Kurf\u00fcrst lie\u00df ihn auf der Wartburg in Sicherheit bringen. 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zur\u00fcck.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><!--more-->In den darauffolgenden Jahren arbeitet Luther seine Lehre weiter aus, verteidigte sie gegen Andersdenkende und entwickelte vielf\u00e4ltige Aktivit\u00e4ten auf dem Gebiet des Kirchen-, Schul- und Armenwesens. 1525 hatte er Katharina von Bora geheiratet. Er wurde Vater von sechs Kindern. Am 18. Februar 1546 starb Luther. Er wurde in der Wittenberger Schlosskirche beigesetzt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Luthers Wirksamkeit f\u00e4llt in die Periode der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Revolution in Deutschland, deren H\u00f6hepunkt der deutsche Bauernkrieg (1524\/25 war. Die Grundprobleme seiner Zeit wurden von dem Widerspruch zwischen Fr\u00fchkapitalismus und Sp\u00e4tfeudalismus gepr\u00e4gt, der die Gegens\u00e4tze zwischen Adel, B\u00fcrgertum und Bauern zum akuten Konflikt zuspitzte. Zugleich leitete der aufkeimende Kapitalismus den Prozess der b\u00fcrgerlichen Nationenbildung ein, der zu einer gemeinsamen Frontstellung aller oppositionellen Kr\u00e4fte, auch von Teilen der herrschenden Klasse, gegen die Papstkirche f\u00fchrte. Diese hatte sich w\u00e4hrend des Mittelalters zu einem der wichtigsten internationalen Machtzentren des Feudalsystems entwickelt und wurde durch innere Missst\u00e4nde zunehmend diskreditiert. Sie war nicht nur die zentrale geistige Macht, deren Lehren f\u00fcr das gesamte Denken verbindlich waren, sondern sie war auch der gr\u00f6\u00dfte aller Feudalherren, verf\u00fcgte \u00fcber riesigen Grundbesitz; viele ihrer hohen W\u00fcrdentr\u00e4ger \u00fcbten zugleich in Territorien und Herrschaften weltliche Macht aus, und der Papst hatte das Recht erlangt, das Reichsoberhaupt, den Kaiser, zu best\u00e4tigen. Kein Weg zu einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen, politischen und geistig-kulturellen Zust\u00e4nde f\u00fchrte an der Kirche vorbei.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Geist der Zeit wurde durch Humanismus und Renaissance gepr\u00e4gt. Erasmus von Rotterdam, Ulrich von Hutten, Johannes Reuchlin u. a. beriefen sich auch auf das antike Bildungsideal und erkl\u00e4rten W\u00fcrde, Freiheit und Selbstst\u00e4ndigkeit des Menschen beruhen auf seiner Vernunft und der F\u00e4higkeit, aus Erkenntnis und Wissen \u00fcber sich selbst zu entscheiden. Dies f\u00fchrte zum Erbl\u00fchen der Wissenschaften und der Kunst. Gleichzeitig wurden im praktischen Kampf ihrer R\u00e4presentanten in Wort und Schrift und mit Waffen die Interessen der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Bewegung zum Ausdruck gebracht, die gegen den Feudalismus aufbrach und damit dem gesellschaftlichen Fortschritt diente. Engels charakterisierte diesen Prozess als \u201edie gr\u00f6\u00dfte progressive Umw\u00e4lzung, die die Menschheit bis dahin erlebt hatte, eine Zeit, die Riesen brauchte und Riesen zeugte, Riesen an Denkkraft, Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit\u201c. Die Reformation leitete diesen Prozess ein und widerspiegelte theologisch die Erfordernisse der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Bewegung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">W\u00e4hrend Humanismus und Renaissance nur die Bildungsschichten erfassten, drang die Reformation Luthers ins Volk und setzte Massen in Bewegung. Sie l\u00e4hmte die Kirche als Herrschaftsinstrument des Feudalismus und schuf mit der Losung von der evangelischen Freiheit eine Legitimationsbasis f\u00fcr politische und soziale Forderungen aller oppositionellen Kr\u00e4fte, einschlie\u00dflich der von Bauern, Handwerkern und Plebejern. In der Fr\u00fchphase seines reformatorischen Wirkens wurde Luther zum Sprecher aller oppositionellen Kr\u00e4fte, die gegen die Dogmen, die Verfassung und bestimmte Entartungen (Ablasshandel) der katholischen Kirche, der ideellen St\u00fctze der Feudalordnung, auftraten. \u201eDer Blitz schlug ein, den Luther geschleudert hatte. Das ganze deutsche Volk geriet in Bewegung. Auf der einen Seite sahen Bauern und Plebejer in seinem Aufruf wider die Pfaffen, in seiner Predigt von der christlichen Freiheit das Signal zur Erhebung; auf der anderen schlossen sich die gem\u00e4\u00dfigten B\u00fcrger und ein gro\u00dfer Teil des niederen Adels ihm an, wurden selbst F\u00fcrsten vom Strom mit fortgerissen.\u201c 1523 begr\u00fcndete Luther das Gemeindeprinzip der Reformation und leitet aus ihr das S\u00e4kularisations- und Sozialprogramm der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Revolution ab.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Angesichts der Radikalisierung der revolution\u00e4ren Bewegung wurde die Begrenztheit von Luthers Position offenbar. Er verfocht den Standpunkt der gem\u00e4\u00dfigten Reformation, um den sich die b\u00fcrgerlichen Oberschichten der St\u00e4dte, die Masse des niederen Adels und ein Teil der weltlichen F\u00fcrsten sammelten. Vom Ritteraufstand Huttens und Sickingens, von den Humanisten, von der Partei der Bauern und Plebejer und ihrem f\u00fchrenden Kopf M\u00fcntzer distanzierte sich Luther. Obwohl er weiterhin die tyrannischen Ausbeuter attackierte, verwehrte er den Bauern, die Waffen zu gebrauchen, und rief dazu auf, den Aufstand mit allen Mitteln niederzuschlagen. In dieser Haltung zeigen sich die zeit- und klassenbedingten Grenzen der Wirksamkeit Luthers. Die von ihm entfachte gesellschaftliche Bewegung ging weit \u00fcber Luthers Ziele und Vorstellungen hinaus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Luthers Werk und seine Wirkung sind von bleibender Bedeutung. Das grundlegende Anliegen der von ihm bezweckte Reformation der Kirche kleidet Luther in folgende Worte: \u201eDass ich es kurz und getrost sage: Die Kirche hat eine Reformation n\u00f6tig, und das ist nicht die Sache eines einzelnen Menschen, des Papstes nicht noch vieler Kardin\u00e4le, sondern der ganzen Welt, ja Gottes allein. Er, der die Zeiten gr\u00fcndet, kennt allein die Zeit der Reformation. Inzwischen d\u00fcrfen wir offenliegenden Missst\u00e4nde nicht bestreiten. Die Schl\u00fcsselgewalt wird missbraucht und befindet sich in Knechtschaft von Habgier und Ehrsucht.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Asyl auf der Wartburg begann Luther von Mai 1521 bis M\u00e4rz 1522 das \u201eNeue Testament\u201c in Deutsche zu \u00fcbertragen, eine Arbeit, die 1534 durch die \u00dcbersetzung der gesamten Bibel mit Hilfe seiner Mitarbeiter abgeschlossen wurde. Diese Bibel\u00fcbersetzung geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften kulturellen Leistungen unserer Geschichte. Mit ihr schuf Luther ein m\u00e4chtiges Werkzeug f\u00fcr die entstehende Volksbewegung, und sie war zugleich von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Wie die Bibel\u00fcbersetzung vom genialen Umgang Luthers mit der Sprache zeugt, so auch seine Dichtung, insbesondere sein Liedschaffen, das den Ton des Volkes traf.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Bleibendes verdanken wir Luther auch in der Ethik. Er war der gr\u00f6\u00dfte deutsche Ethiker vor Kant. Er begr\u00fcndete ein neues Verst\u00e4ndnis der Beziehungen zwischen Mensch und Gott, wollte den Glauben von klerikaler Bevormundung befreien und lehnte die Herrschaft des Papstes und der Priester \u00fcber das Gewissen ab. Aus dem biblischen Grundsatz, dass man Gott mehr gehorchen m\u00fcsse als den Menschen (Clausula Petri), und aus der Anerkennung des Gewissens als Berufungsinstanz im R\u00f6mischen Recht entwickelte er eine Gewissensethik, mit der er die welthistorische Verweigerung des Widerrufs vor dem Wormser Reichstag 1521 begr\u00fcndete und dar\u00fcber hinaus den politischen Widerstand des Protestantismus gegen die Gegenreformation legitimierte. Mit dem biblischen Grundsatz \u201eWer nicht arbeitet, soll auch nicht essen\u201c bek\u00e4mpfte er feudalen und klerikalen Parasitismus als unchristlich und asozial und entwickelte aus der Verbindung dieses Grundsatzes mit dem Prinzip der N\u00e4chstenliebe das die b\u00fcrgerliche protestantische Arbeitsethos.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach der grausamen Niederschlagung des Bauernkrieges setzt Luther das Werk der Reformation fort. Schulgr\u00fcndungen und Universit\u00e4tsreformen, neue Ordnung f\u00fcr Kirchen-, Schul- und Armenwesen kennzeichneten diesen Weg. Mit besonderer Sorge nahm er sich der Linderung der Armut, der Versorgung von Alten, Kranken und Waisen in Verpflichtung zur N\u00e4chstenliebe an.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Er ist in der theologischen Forschung umstritten, ob Luther lebenslang eine einheitliche Theologie vertreten habe. Auf wesentliche Unterschiede in der Theologie des \u201ejungen\u201c und des \u201ealten\u201c Luther wird aufmerksam gemacht. Die Lutherische Theologie hat sich vor, in und mit der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Revolution entwickelt. Sie enthielt \u00fcber alle Entwicklungsperioden hinweg gleichbleibende Grunds\u00e4tze und umfasste daneben auch kirchenrechtliche Aussagen, die sich situationsbedingt wandelten. Hierzu geh\u00f6rt vor allem das Gemeindeprinzip, das nach der Niederlage des Bauernkrieges zugunsten des landesherrlichen Kirchenregimentes aufgegeben wurde. Ein Tragpfeiler seiner Theologie war die Lehre von der Rechtfertigung allein aus dem Glauben, der zufolge Gott nicht auf die Werke sieht, sondern auf den Glauben, aus dem die Werke kommen. Dieser Glaube sei ein Gnadengeschenk Gottes, man k\u00f6nne ihn nicht herbeiheucheln. Luthers Theologie ist von Anfang bis Ende um Christus zentriert, d. h., alle Aussagen \u00fcber Gott und den Menschen sowie die Innere Struktur dieser Theologie werden von der Erl\u00f6sungstat des Jesus aus Nazareth abgeleitet. Daraus ergibt sich zugleich die strenge Unterscheidung von Gesetz und Evangelium, verbunden mit der H\u00f6herbewertung des Neuen Testaments, dessen Sinn von den Briefen des Apostels Paulus aus gedeutet wird. Christozentrisch ist auch die in der lutherischen Theologie vertretene Anthropologie, der zufolge der Mensch S\u00fcnder und Gerechter zugleich ist. Diese Grunds\u00e4tze wurden von Luther bis 1519 erarbeitet und sind nie von ihm widerrufen worden. In der Polemik gegen Erasmus von Rotterdam entwickelt Luther die Lehre vom verborgenen Gott (Deus absconditus), der zufolge sich Gott den Menschen nicht v\u00f6llig offenbart hat und einen geheimen, nicht verk\u00fcndeten Ratschluss \u00fcber die Welt bei sich h\u00e4lt, dem der Mensch nicht nachforschen soll. Das Frageverbot besteht jedoch nur gegen\u00fcber Gott; die Welt hingegen soll der Mensch gr\u00fcndlich untersuchen. Gleichzeitig wird die Lehre von der Vorherbestimmung (Pr\u00e4destination) zu ewiger Verdammnis oder ewigen Heil dargelegt. Luther betont mit \u00e4u\u00dferster Sch\u00e4rfe die absolute Unvereinbarkeit von christlichem Offenbarungsglauben und aristotelischer Philosophie. Die Trennung von Theologie und Philosophie erweiterte den Spielraum f\u00fcr die Herausbildung einer weltlichen Emanzipationsideologie des B\u00fcrgertums und der ihr entsprechenden Philosophie. Bei der Systematisierung der lutherischen Lehre zu einer protestantischen Dogmatik lehnten sich jedoch Melanchthon und in seinem Gefolge die sp\u00e4teren Orthodoxie partiell wieder an die aristotelische Philosophie an, speziell in ihrer sp\u00e4tscholastischen, von Ockham gepr\u00e4gten Variante, was auch weiterhin die Aufrechterhaltung der prinzipiellen Trennung von Theologie und Philosophie erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Historisch gewandelt hat sich die ideologische Funktion der lutherischen Theologie im Verlauf der fr\u00fchb\u00fcrgerlichen Revolution: w\u00e4hrend sie in den Jahren 1517-1525 sie oppositionellen Kr\u00e4fte mobilisierte \u2013 zugleich seit 1524 zunehmend eine apologetische Position gegen\u00fcber der sich rapide radikalisierenden Volksbewegung einnahm -, wurde sie nach dem Jahre 1525 in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe Widerstandsideologie gegen die anhebende und sich sammelnde Gegenreformation und bew\u00e4hrte sich zugleich als f\u00fchrende Kraft innerhalb der b\u00fcrgerlichen Reformation gegen\u00fcber der s\u00fcddeutschen und els\u00e4ssischen Reformation, deren Vertreter 1536 die Hegemonie Luthers in der evangelischen Bewegung anerkannten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ausgehend von seiner klaren Unterscheidung zwischen Evangelium und Gesetz, betonte Luther die Eigengesetzlichkeit des Staatlichen, entwickelte die 2-Reiche-Lehre, in der der Verzicht auf klerikale Bevormundung der Welt ausgesprochen wird. Luther selbst hielt vor allem zwei seiner Schriften f\u00fcr wertbest\u00e4ndig, \u201eVon verknechteten Willen\u201c und den \u201eGro\u00dfen Katechismus\u201c. In der Schrift \u201eVom verknechteten Willen\u201c verteidigt Luther 1525 die deterministische Weltsicht und Geschichtsauffassung der Reformation gegen Erasmus, der diese Prinzipien 1524 im direkten Auftrag Kaiser Karls V. und der sich zum Gegensto\u00df sammelnden katholischen Reaktion mit der \u201eDiatribe vom freien Willen\u201c angegriffen hatte. Es hei\u00dft: \u201eSo ist der menschliche Wille in die Mitte gestellt, wie ein Reittier, wenn Gott es bestiegen hat, will und geht es, wohin Gott will, wie der Psalm sagt: Ich bin wie ein Tier geworden und bin immer bei dir. Wenn der Teufel aufgestiegen ist, will und geht es, wohin der Teufel will, und es liegt nicht an seinem Willen, zu welchem Reiter er l\u00e4uft oder welchen es sucht, sondern die Reiter selbst k\u00e4mpfen darum, dasselbe zu gewinnen und zu besitzen.\u201c Aus Luthers Sicht der Erbs\u00fcnde, die die menschliche Natur fessele, so dass sie aus freiem Willen und eigener Kraft unf\u00e4hig ist, Gutes zu wirken, ergibt sich als Konsequenz: \u201eDer freie Wille ist ohne die Gnade Gottes gar nicht frei, sondern ist unver\u00e4nderlich ein Gefangener und Sklave des B\u00f6sen, weil er sich zum Guten alleine nicht wenden kann.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach den Worten von Engels stellte die lutherische Reformation einen Bestandteil der \u201eRevolution Nr. 1 der Bourgeoisie\u201c dar, worin der \u201eBauernkrieg die kritische Episode\u201c bildete.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie war zusammen mit dem Bauernkrieg die erste Entscheidungsschlacht des europ\u00e4ischen B\u00fcrgertums gegen den Feudalismus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im 16. Jahrhundert entstanden die bis heute g\u00fcltigen Zusammenfassungen der haupts\u00e4chlichen Glaubensaussagen (Symbole oder symbolische B\u00fccher). Diese lutherischen Bekenntnisschriften, die 1580 im \u201eKonkordienbuch\u201c zusammengestellt wurden, umfassen neben den drei altkirchlichen Symbolen folgende Dokumente der Reformationszeit: Confessio Augustana (CA, 1530), Apologie der Confessio Augustana (1530), Schmalkaldische Artikel (1537), Traktat \u00fcber Macht und Vorrang des Papstes (1537), Luthers Gro\u00dfer und Kleiner Katechismus (1529), Konkordienformel (1577). Das Konkordienbuch ist nicht bei allen lutherischen Kirchen in Geltung. Die von Melanchthon verfasste Confessio Augustana wird allgemein anerkannt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den Auseinandersetzungen zwischen den Sch\u00fclern Luthers und Melanchthons, in der Abwehr des Katholizismus und des Kalvinismus bildete sich die lutherische Orthodoxie heraus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die Reformation wirkte stark und nachhaltig auf das deutsche Kulturleben. K\u00fcnstler wie Albrecht D\u00fcrer, Lucas Cranach, Matthias Gr\u00fcnewald und viele andere engagierten sich in den sozialen und ideologischen Auseinandersetzungen der Zeit und schufen ein neues Bild vom Menschen als Leitbild f\u00fcr progressive Kr\u00e4fte. Das Erbe der Reformation bildete neben dem Einfluss der Franz\u00f6sischen Revolution einen der geistigen N\u00e4hrb\u00f6den f\u00fcr die Periode der Klassik in Literatur und Philosophie, die in den protestantischen Gebieten Deutschlands ihre Zentren hatten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Quelle: Philosophenlexikon, Dietz Verlag Berlin 1987, 4. Auflage, Seiten 597 \u2013 602.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.11.1483 in Eisleben geboren, starb er am 18.02.1546 in Eisleben. Luther ist eine der Pers\u00f6nlichkeiten von Weltgeltung in der deutschen Geschichte. Er wirkte als ein Wegbereiter der gro\u00dfen geistigen und politischen Auseinandersetzungen, mit denen Deutschland und Europa in die Epoche des Verfalls des Feudalismus, der Herausbildung des Manufakturkapitalismus und der ersten b\u00fcrgerlichen Revolution eintraten. Durch seinen Kampf gegen das Papsttum l\u00f6ste er die Reformation aus, die wesentlicher Bestandteil dieser Revolution wurde. 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