{"id":558,"date":"2020-04-29T18:51:18","date_gmt":"2020-04-29T16:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=558"},"modified":"2020-05-11T19:12:53","modified_gmt":"2020-05-11T17:12:53","slug":"558","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/?p=558","title":{"rendered":"Der jammernde Wessie und eine These."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Katze.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-560 size-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Katze-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Katze-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.sachsen-anhalt.freidenker.org\/cms\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Katze-144x144.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Ein <a href=\"https:\/\/www.mz-web.de\/landkreis-harz\/170-jahre-ist-alles-gut-gegangen-harzer-forstwirt-hat-kampf-gegen-borkenkaefer-verloren-36608924\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag<\/a> in der MZ, um Bereicherung auf Kosten der B\u00fcrger der DDR ist es gegangen, nicht offensichtlich, offensichtlich wurde das Problem anders angegangen, die Leiden eines Forstwirtes wurden geschildert. Nur wie ist der Forstwirt zu seinem Eigentum im Harz gekommen? Er hat es erworben, nach 1990 und sich damit einen Lebenstraum erf\u00fcllt, f\u00fcr viele Ostdeutsche wurden die Ereignisse nach 1990 zum Albtraum, manch einer konnte auch profitieren und von diesen Ereignissen partizipieren, auch wenn daf\u00fcr gelegentlich in den Anus so manchen Wessies gekrochen werden musste. Das Anusraupenprinzip f\u00f6rderte manche Kariere, allerdings leben Anusraupen in der Regel im Dunkel, so dass sie selbst von Lichtblicken verschont bleiben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Forstwirt im Beitrag war kein Ostdeutscher, er konnte g\u00fcnstig Wald erwerben und sich so auf Kosten der DDR-B\u00fcrger bereichern. Nun hatten zwei hei\u00dfe Sommer und ein K\u00e4fer seinem alten Wald kr\u00e4ftig zugesetzt, so das er mit den Folgen zu k\u00e4mpfen hat. Sicher geh\u00f6rt er nicht zu den gro\u00dfen Profiteuren des ausschlachten von DDR-Volksverm\u00f6gen, er ist nur ein kleiner Schmarotzer, aber sein Beispiel ist durchaus bezeichnend.<\/p>\n<p align=\"justify\">Drei Texte habe ich geschrieben, sozusagen eine Trilogie, welche unter der \u00dcberschrift eines der Beitr\u00e4ge zusammengefasst werden kann.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Der jammernde Wessie, <\/b>\u00fcbrigens eine Eigenschaft, welche etliche Ostdeutsche von Westdeutschen sehr schnell gelernt haben.<\/p>\n<p align=\"justify\">1.) \u2026 <b>die Sorgen und N\u00f6te eines Forstwirtes \u2026<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more-->Es ist schon interessant was mancher Beitrag in einer Zeitung an Gedanken ausl\u00f6sen kann. Am 27.04.2020 findet sich in der MZ ein Beitrag, welcher \u00fcber die Sorgen und N\u00f6te eines Forstwirtes berichtet. Der Forstwirt klagt \u00fcber sein Leid, sein Wald stirbt, zwei trockene Sommer und der Borkenk\u00e4fer haben ganze Arbeit geleistet, die \u201c<i>150 bis 170 Jahre\u201d<\/i> alten Fichtenbest\u00e4nde sterben. Den Wald hatte der Herr aus Bielefeld nach der Wende erworben, allerdings muss die regionale Verbundenheit hergestellt werden und so ist im Beitrag zu lesen: \u201c<i>Die Familie Meyer-Stork stammt aus dem Harz. Nach der Wende zog der geb\u00fcrtige Bielefelder\u201d<\/i> (Gro\u00dfstadt in Nordrhein-Westfalen) \u201c<i>zur\u00fcck und erwarb 263 Hektar Wald.\u201d<\/i> Nun haben meines Wissens nach drei Bundesl\u00e4nder Anteil am Harz, Nordrhein-Westfalen ist allerdings keins davon. So allerdings traditionelle Heimatverbundenheit zumindest assoziiert, wird das Leid des Forstwirtes verk\u00fcndet und durch \u201c<i>Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes in Sachsen-Anhalt.\u201d<\/i> best\u00e4tigt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Forstwirt, ein Flei\u00dfmensch wie er nur aus dem Westen kommen kann, krempelt die \u00c4rmel hoch und forstet auf, \u201c<i>der Waldbesitzer erf\u00e4hrt dabei auch Unterst\u00fctzung aus der Region. \u201cEs kommen Menschen, die ich mitunter bisher gar nicht kannte und bieten ihre Hilfe an.\u201d Viele \u00e4ltere B\u00fcrger h\u00e4tten noch aus der DDR-Zeit Erfahrungen, wie B\u00e4ume gepflanzt werden.\u201d<\/i> Und einmal davon abgesehen, dass in der DDR Schulkinder schon wussten wie man B\u00e4ume pflanzt, ist es auch ein Zeichen, dass mit der westlichen Kultur, auch die Kultur praktizierter Entf\u00e4higung in den Osten gekommen ist und nicht nur Bielefelder aus dem Harz.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber Glorreich, \u201c<i>die Aufforstung bezahlt der Waldbesitzer aus der eigenen Tasche.\u201d<\/i> Vers\u00e4umt es allerdings nicht dar\u00fcber zu klagen, w\u00fcrde er nicht selbst aufforsten, sondern eine Firma damit beauftragen, w\u00fcrde das Land Sachsen-Anhalt \u201c<i>die Anpflanzung von Mischw\u00e4ldern mit bis zu 70 Prozent.\u201d<\/i>, f\u00f6rdern. Daran sollte sich etwas \u00e4ndern, wenn billiger Wald erworben wird, so sollten die Verluste der Forstwirte auch sozialisiert werden, immerhin hat der Forstwirt \u201c<i>an Wegen \u2026 f\u00fcr Wanderer Rastpl\u00e4tze angelegt.\u201d <\/i>Aber Gl\u00fcck im nat\u00fcrlichen Ungl\u00fcck, denn<i> \u201cm\u00fcsste Meyer-Stock\u201d<\/i> (Schreibweise des Namens im Beitrag unterschiedlich) \u201c<i>die Wertverluste in seinem Wald wie ein normales Unternehmen bilanzieren, dann w\u00e4re er l\u00e4ngst pleite. Doch das muss er nicht. Die Kredite f\u00fcr den Erwerb hat er in zwei Jahren abbezahlt. Allerdings \u201cleben kann und muss der Vater von vier Kindern vom Wald nicht. Drei Tage in der Woche arbeitet er in der Verwaltung des Pflanzenforschungsinstituts Julius K\u00fchn in Braunschweig.\u201d\u00a0<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Und einmal davon abgesehen, dass viele Menschen im Osten mit drei Tagen Arbeit in der Woche\u00a0 ihre Familie nicht ern\u00e4hren k\u00f6nnen, hatten die wenigsten die M\u00f6glichkeit nach 1990 Wald zu erwerben, der Beitrag selbst animierte mich zu folgende Gedanken:<\/p>\n<p align=\"justify\">2.) <b>Der jammernde Wessie<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Mit der Wende vor drei\u00dfig Jahren tauchten im Osten des Landes geh\u00e4uft, f\u00fcr den Westen nicht untypische Doppelnamen und alter Adel auf. Manch aus dem Westen eingewanderter erwarb in der Regel f\u00fcr wenig Geld anst\u00e4ndige St\u00fccke aus dem Volksverm\u00f6gen der DDR, alles wurde verscherbelt, Industriebetriebe, Grund und Boden, darunter auch Waldfl\u00e4chen, welches die erwerbenden Schmarotzer nutzten, um sich auf Kosten der Bev\u00f6lkerung der DDR zu bereichern. Dem Ostdeutschen wurden diese Schmarotzer als <a href=\"http:\/\/kucaf.blogspot.com\/2012\/11\/ode-den-investor.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Investoren<\/a> pr\u00e4sentiert, welche zur Rettung erschienen, um zumindest einen Teil des wirtschaftlichen Lebens noch am Leben zu erhalten. Letzteres fiel bei manchem Ostdeutschen leider auf fruchtbarem Boden, besonders nachdem die Basis f\u00fcr m\u00f6glichen organisierten Widerstand sich gewisserma\u00dfen selbst eliminierte, es war die Zeit der <a href=\"https:\/\/kucaf.home.blog\/2019\/12\/05\/was-ist-geschichte-wie-immer-man-sie-dichte-und-zeitzeugen-sie-beugen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gysis<\/a> und Biskys.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das manch Erwerb noch zus\u00e4tzlich gef\u00f6rdert wurde, versteht sich von selbst, die Aufl\u00f6sung der DDR Volkswirtschaft lie\u00df sich die BRD anst\u00e4ndig was kosten und nutzte die Zerschlagung der Volkswirtschaft der DDR zur Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums auch in den alten Bundesl\u00e4ndern. Partizipieren konnten davon in erster Linie westliche Investoren, sie erwarben nicht nur DDR-Volksverm\u00f6gen, erhielten nicht nur Zusch\u00fcsse zur teilweisen und kompletten Eliminierung von Betrieben, sondern es gab auch erhebliche Steuervorteile, nicht nur in Form von Sonderabschreibungen. Die neuen Bundesl\u00e4nder wurden auch zu einem Paradies f\u00fcr Gl\u00fccksritter jeglicher Couleur, sie kamen, \u00fcberschwemmten das Land und versuchten zum Teil auch Phantasien auszuleben, welche den \u00f6konomischen Realit\u00e4ten entgegenstanden. Egal aus welchem Grund Menschen aus der alten BRD in den Osten kamen, sie wurden gebraucht, nicht nur weil aus dem Osten Menschen auswanderten, deren Existenzgrundlage im Osten zerst\u00f6rt wurde, sondern diese Menschen wurden gebraucht um den Osten nach westlichen Vorstellungen umzubauen. Im Verwaltungsbereich wurde dieser, zur Beherrschung des neuen Territoriums notwendige Trennt, durch die sogenannte \u201cBuschzulage\u201d bef\u00f6rdert, in der Wirtschaft durch entsprechende F\u00f6rderungen, Billigangebote und Geschenke.<\/p>\n<p align=\"justify\">Den Menschen wurde dieses Vorgehen als alternativlos und damit notwendig verkauft und viele schluckten diese hoch giftige Kr\u00f6te, nicht zuletzt, weil sie dick mit dem Zucker der Illusion \u00fcberzogen war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Folgen des Untergangs der DDR, welcher ohne die weitestgehende Negierung der sozialistischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse, der Zerschlagung der sozialistischen Wirtschaftsgrundlagen, so nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, bekamen nicht nur die Menschen in den nun neuen Bundesl\u00e4ndern zu sp\u00fcren, sondern auch die Menschen in den alten, gebrauchten und verbrauchten. Mit der Zerschlagung der DDR Volkswirtschaft und der damit verbundenen Zerst\u00f6rung sozialer Strukturen, war der Grundstein f\u00fcr den Umbau der Gesellschaft entsprechend neoliberaler Grunds\u00e4tze auch im Westen bereitet. In den neuen Bundesl\u00e4ndern wurde ausprobiert, was etwas sp\u00e4ter in den alten Bundesl\u00e4ndern ebenfalls praktiziert, es setzte eine enorme Welle der Privatisierung \u00f6ffentlichen Eigentums ein. Erinnert sei an die Privatisierung von Post und Bahn, aber auch von Unternehmen wie VW, an PPP, nicht zu vergessen die Privatisierungen im Gesundheitswesen und der Sozialversorgung, z. B. im Rentensystem, welches zum Teil privatisiert wurde und damit das Rentenniveau erheblich abgesenkt und dieser Prozess ist l\u00e4ngst noch nicht abgeschlossen, die Umverteilung in der Gesellschaft geht weiter. Ehemaliges Volksverm\u00f6gen der DDR ist nicht mehr zu privatisieren, aber es gibt noch \u00f6ffentliches Eigentum und in der Bev\u00f6lkerung etliches umzuverteilen. Die gegenw\u00e4rtige Krise bietet gute Voraussetzungen, es steigen die Lebenshaltungskosten, die Einkommen fallen und f\u00fcr nicht wenige f\u00e4llt das Einkommen gegenw\u00e4rtig komplett aus, was nicht wenige Menschen dazu bewegen wird, soziale Hilfssysteme in Anspruch nehmen zu m\u00fcssen und sich in den Hartz-IV-Repressionszirkus zu begeben. Kleinere Unternehmen werden per Gesetz ruiniert, Gro\u00dfunternehmen, Handelsketten gef\u00f6rdert. Wenn kleinere Gewerbetreibende diese Krise \u00fcberstehen, wird es einige Zeit brauchen, bis sie sich wieder konsolidieren und manch einem wird nichts anderes \u00fcbrig bleiben, als sich in Abh\u00e4ngigkeit zu gro\u00dfen Unternehmen, im Dienstleistungsbereich zum Beispiel sich Ketten anzuschlie\u00dfen. Kapitalismus ist die propagierte Vielfalt auf dem Weg zur Einfalt und auf diesem Weg werden selbst die Menschen immer einf\u00e4ltiger, was insbesondere auch daran zu sehen, dass sich viele Menschen von einfachen Schemen leiten lassen, nicht selbstst\u00e4ndig nachdenken, sich ihres eigenen Verstandes nur m\u00e4\u00dfig bedienen und oft kritiklos folgen, was ihnen als alternativlos vorgegeben wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gelegentliches meckern ist keine Kritik!<\/p>\n<p align=\"justify\">3.) <b>Nachgedanke \u2013 These:<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Ohne die z\u00fcgige Zerschlagung der Volkswirtschaft der DDR, w\u00e4re der Untergang der DDR in praktizierter Form nicht so m\u00f6glich gewesen, wie geschehen. Nach politischer Vorbereitung, beg\u00fcnstigt durch die praktische Selbstentmachtung der DDR-F\u00fchrung, wurde mit der W\u00e4hrungsunion als erster \u00f6konomischer Schritt die Volkswirtschaft der DDR Sturmreif geschossen, nach Vollzug der deutschen Einheit war es auch nicht mehr notwendig \u00fcber diverse Zwischenschritte, wie Joint Venture zum Beispiel, nachzudenken, sondern es konnte direkt zur Zerschlagung der DDR Volkswirtschaft mittels Privatisierung \u00fcbergegangen werden. Es war ein Prozess, welcher schnellstm\u00f6glich abgeschlossen werden musste, bevor die meisten Ostdeutschen merkten was mit ihnen geschieht und sie die Folgen intensiv zu sp\u00fcren bekommen. Ihren Lohn f\u00fcr ihren Verrat an sich selbst, hatten die meisten l\u00e4ngst ausgegeben und mit 100 DM ist er nicht unbedingt als \u00fcppig zu bezeichnen!<\/p>\n<p align=\"justify\">Th. Loch<\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag in der MZ, um Bereicherung auf Kosten der B\u00fcrger der DDR ist es gegangen, nicht offensichtlich, offensichtlich wurde das Problem anders angegangen, die Leiden eines Forstwirtes wurden geschildert. Nur wie ist der Forstwirt zu seinem Eigentum im Harz gekommen? 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