Landesverband Sachsen-Anhalt

Luther, Martin:

Donnerstag, 27. Oktober 2016 von Thomas

img_000310.11.1483 in Eisleben geboren, starb er am 18.02.1546 in Eisleben. Luther ist eine der Persönlichkeiten von Weltgeltung in der deutschen Geschichte. Er wirkte als ein Wegbereiter der großen geistigen und politischen Auseinandersetzungen, mit denen Deutschland und Europa in die Epoche des Verfalls des Feudalismus, der Herausbildung des Manufakturkapitalismus und der ersten bürgerlichen Revolution eintraten. Durch seinen Kampf gegen das Papsttum löste er die Reformation aus, die wesentlicher Bestandteil dieser Revolution wurde.

Nachdem er 1501 ein Studium an der Artistenfakultät der Universität Erfurt aufgenommen und 1505 ein Jurastudium begonnen hatte, trat Luther 1505 in den Orden der Augustinereremiten in Erfurt ein und wurde dort mit dem Studium der Theologie beauftragt. 1507 erhielt er im Erfurter Dom die Priesterweihe. 1508/09 war er Dozent für Moralphilosophie an der 1502 gegründeten Universität Wittenberg; 1509/10 wieder in Erfurt, unternahm er 1510 eine Romreise im diplomatischen Auftrag des Ordens. Im Jahre 1512 promovierte Luther und wurde Professor der Heiligen Schrift in Wittenberg. Diese Professur hatte er bis an sein Lebensende inne.

Am 31. Oktober 1517 trat Luther mit 95 Thesen über den Ablass an die Öffentlichkeit und forderte zu einer Disputation auf. Mit dem Thesenanschlag datiert der Beginn der Reformation. 1518 wurde ein kirchenrechtlicher Prozess gegen Luther eingeleitet, in dem er als Ketzer angeklagt war. Die Leipziger Disputation mit Johannes Eck 1519 stellte den Primat des Papstes in Frage und bestritt die Irrtumslosigkeit der Konzilien. „Sermon den guten Werken“, „An den christlichen Adel deutscher Nation von christlichen Standes Besserung“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“, „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ sind die großen Reformationsschriften des Jahres 1520. In diesen verband Luther seine Theologie mit den Interessen des Adels und des Bürgertums, dabei zeichnete sich der Bruch mit der Papstkirche immer deutlicher ab. Im Dezember 1520 vollzog er ihn demonstrativ mit der öffentlichen Verbrennung der päpstlichen Bulle, die Luther den kirchlichen Bann androhte. 1521 wurde Luther als Ketzer gebannt und vor dem Reichstag in Worms zum Widerruf aufgefordert. Auch angesichts dieser gefährlichen Lage blieb Luther unbeugsam. Da er den Widerruf ablehnte, wurde die Reichsacht über ihn verhängt. Der sächsische Kurfürst ließ ihn auf der Wartburg in Sicherheit bringen. 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zurück.

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Reformationsjubiläum 2017!

Donnerstag, 27. Oktober 2016 von Thomas

img_0003Im Jahr 2017 jährt sich zum 500 mal der Thesenanschlag Martin Luthers an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Der Rummel der um dieses bedeutende Ereignis in der deutschen Geschichte gemacht wird ist enorm. 10 Jahre Vorbereitung, umfassende Investitionen an Stätten an welchen Luther wirkte, Veranstaltungen in Vorbereitung, Diskussionen, Kolloquien zum Thema und ein Rummel welcher seines Gleichen sucht, sind Zeugnis für …, ja für was eigentlich? Für einen gigantischen Jahrmarkt der Eitelkeiten und ein Festival des Konsums, wie es gegenwärtig den Anschein hat?

Aus aller Welt werden Gäste erwartet, die Investitionen sollen sich letztendlich rechnen, Bilder wurden gemalt, Plastiken gefertigt und restauriert, Bücher geschrieben und den üblichen Nippes wird es sicher reichlich geben. Zu fragen bleibt allerdings ob Luthers Wirken bei diesem Rummel nicht auf der Stecken bleibt?

Luther war ein Kind seiner Zeit, allerdings eins was entscheidenden Einfluss auf seine Umwelt genommen hat und geradezu revolutionär agierte. Dabei war er durchaus eine widersprüchliche Persönlichkeit, getriebener und treibender zugleich, aber da Widersprüche Triebkräfte sind, trieb er gesellschaftliche Entwicklung tüchtig voran.

Sicher wird Luther aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, was er durchaus verdient hat und als Anerkenntnis seines Tuns kaum zu überbieten ist. Allerdings wird er auch missbraucht werden und das um so mehr, als er sich selbst nicht wehren kann. Und da Luther ein Wegbereiter der frühbürgerlichen Revolution in Deutschland war, er schuf die ideologische Grundlage für diese, wird er nach dem Sieg des Bürgertum, nach Errichtung des kapitalistischen Gesellschaftssystem, auch entsprechend vermarktet. Luther, ein Mensch dessen finanzielle Verhältnisse ungeordnet waren, welcher sich wenig darum kümmerte und später diesen Part gern seiner Frau überließ, soll heute Goldesel für so manches Geschäft werden. Auch aus diesem Grund ist es notwendig sich von verschiedener Seite Inhaltlich mit Luther auseinanderzusetzen, und Freidenker wären keine Freidenker, wenn sie dieses nicht tun würden. Da Luthers Wirkungsstätten auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen, kann es als eine vorrangige Aufgabe dieser Landeverbände angesehen werden, sich dieses Themas anzunehmen.

So werden wir hier in loser Reihenfolge bis zum Reformationsjubiläum Beiträge zum Thema Frühbürgerliche Revolution in Deutschland veröffentlichen. 500 Jahre Reformationsjubiläum, … aber noch ein zweites Jubiläum wirft seine Schatten voraus, ein ebenfalls Welt veränderndes und so kann der Bogen gespannt werden, vom Reformationsjubiläum zur Oktoberrevolution in Russland 1917! Zwar ein anders Thema, allerdings historisch mit einander verbunden, viele Parallelen aufweisend!

Gedenken an einen großen Reformator – Thomas Müntzer –

Montag, 24. Oktober 2016 von Thomas

Heute (31.10.13) ist Feiertag, Reformationstag und die Reformationsbewegungen an der Schwelle zur Neuzeit haben ihre Spuren hinterlassen. Dabei wird bei der Spurensuche durchaus sondiert und die Spuren in den Vordergrund gestellt, welche dem eignem Interesse dienlich sind. Da passt es heutzutage nicht unbedingt einen Reformator wie Thomas Müntzer zu ehren, eher wird bei Martin Luther stehen geblieben, mit welchem dessen Zeitgenosse Hieronymus Höltzel in seiner Schrift „Hoch verursachte Schutzrede und antwwort wider das Gaistlose Sanfftlebende fleysch zu Wittenberg“ abrechnete. Wie anderes auch, ist diese Streitschrift im Kontext ihrer Zeit zu sehen, sie ist auf dem Höhepunkt der Reformation, am Vorabend der Bauernkriege verfasst worden. Müntzer und seine Mitstreiter gingen mit ihren Vorstellungen von der Reformation weit über die Luthers hinaus, sie strebten die Befreiung des Volkes von seiner Knechtschaft an. Müntzer gehört zu den radikalen Kräften, welche nach 1521 weit über die Reformation Luthers hinausgingen und „sie stießen bis zu den revolutionären Konsequenzen einer Veränderung auch der weltlichen Herrschaft vor. In nur knapp fünf Jahren wurden neue Ideen hervorgebracht und zahlreiche Kräfte für den Kampf gegen die geistlichen und weltlichen Feudalgewallten mobilisiert. In dieser Zeit reifte auch Thomas Müntzer zum Prediger, Theologen und Streiter für die Revolution, für die Sache des „gemeinen Mannes“.“

In keinem Fall ist die historische Leistung Luthers zu schmälern, an der Schwelle zu einer neuen Zeit hat er Bahnbrechendes geleistet, nur sind Müntzer und seine Mitstreiter weit über dieses hinausgegangen und haben den Weg in eine neue Gesellschaft gewiesen. Am Rande sei aber auch daran erinnert, das Müntzer vor Luther in deutscher Sprache gepredigt hat. Somit gedenke ich heute am Reformationstag dem großen deutschen Reformator und Revolutionär Thomas Müntzer!

Nachgedanke (01.11.2013):
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