Landesverband Sachsen-Anhalt

ANGST

Samstag, 16. Mai 2020 von Webredaktion

Eine Beitrag aus dem Jahr 2018, von der Seite der Thüringer Freidenker übernommen.

ANGST

Zentrales Element ihrer (Un-)Kultur

Zunächst ein paar Fallbeispiele aus verschiedenen Teilen unseres Kontinentes:

1.

10.00 Uhr am vormittag in einer Millionenstadt. Ich klingele an der Haustür eines Mehrgeschossers. Die Inhaberin spricht mit mir über die Wechselsprechanlage. Draußen normaler Betrieb. Genügend Leute und alles. Ich stelle mich vor als Gesandter von jemandem, den die Frau von früher kennt, ausgewiesen durch Kenntnis diverser Details. Ihr früherer Bekannter möchte gerne ihre Telefonnummer haben, um sie zurückzurufen. Die Frau weicht aus und sagt sie mir nicht. Ich teile ihr mit, daß der Betreffende eine Visitenkarte mitgeschickt hat und daß ich sie ihr gern geben möchte. Das wäre nun eigentlich die Gelegenheit, mich endlich hereinzubitten. Die Frau sagt mir, ich solle sie in den Briefkasten werfen und öffnet mir die Haustür mit dem Summer. Nochmal zu klingeln, nachdem ich tat, wie mir geheißen, ist mir dann zu blöd. Es hätte ohnedies nichts genutzt. Die Frau hat Angst.

2.

14.00 Uhr in einer Millionenstadt. Neubaugebiet. Wir suchen zu zweit eine Wohnung auf. Die Inhaberin, alleinstehende Frau, hat zwei Termine mit uns platzen lassen, dumme Vorwände zu ihrer Entschuldigung vorbringend, nachdem wir uns telefonisch nach den Gründen erkundigt hatten. Wir vermuten schon, daß sie uns absichtlich nicht treffen will und auf Zeit spielt, weil wir am Abend weiterfahren müssen. Also suchen wir sie zu Hause auf, nachdem wir mit Glück und Geschick Adresse und Wohnung identifiziert haben.

Die Wohnung ist durch zwei Türen gesichert: Innen eine normale Tür mit Sicherheitsschloß, außen eine Gittertür wie im Knast, extra abgeschlossen. Wir klingeln. Ohne wenigstens eine Tür zu öffnen, wispert ein Stimmchen: Wer da wäre ? Ich bin es, stelle extra mein harmloses Antlitz in den Blickwinkel des Türspions, wir waren verabredet, bla, bla. Hallo? Keine Reaktion mehr. Zweites Klingeln. Nichts tut sich mehr. Nur das Hündchen bellt. Drittes Mal klingeln? Wäre sinnlos, die Frau hat Angst.

Über die beiden Millionenstädte auf dem Balkan hat man ja schlimme Sachen gehört, wohlgemerkt in den Medien: Exekutionen auf offener Straße, Polizei, die sich nicht in von der Mafia kontrollierte Viertel wagt, Hungernde, die Menschen umbringen, um ihnen Eßbares zu rauben. Vielleicht ist es ja wirklich so schlimm, und wir haben nur Glück gehabt, daß wir im volltrunkenen Zustand nachts durch die Stadt ziehend außer Leuten, die sich vor uns fürchteten, niemandem begegnet sind? Und daß Geld und Ausweise am nächsten Morgen noch da waren, wo wir sie vermuteten? Und das der Taxifahrer dorthin fährt, wo er soll, und nicht in den Wald? Aber halt, da fallen mir plötzlich Sachen aus Deutschland ein, die ich unter diesem Blickwinkel noch nicht so gesehen hatte.

3.

Nachmittag in einer Großstadt. Ich klingele. Das Haus hat zwar elektrischen Türöffner, aber keine Wechselsprechanlage. Die Tür wird geöffnet, gute Gelegenheit, mich mal persönlich nach oben zu begeben und vorzustellen. Ich trage gute, feste Wanderschuhe, die auf der hölzernen Treppe klare Trittgeräusche ergeben, die sich immer näher an die Wohnung im obersten Stockwerk heranschieben. Von unten war zu vernehmen, wie oben die Tür geöffnet ward, die Bewohnerin offenkundig im Treppenhaus wartet. Auf der vorletzten Etage angekommen, muß ich mit anhören, wie die wartende Person plötzlich wieder in die Wohnung zurückkehrt und die Türe schließt. Was ist denn hier los? Die Frau hat Angst.

Inzwischen war ich in der Wohnung. Der Freund der Besitzerin, ca. 1,90 m, sicherlich gute 90 kg, war auch da. Ja, vielen Dank für die Einladungen, aber abends verlassen sie das Haus prinzipiell nicht mehr, läßt man mich wissen.

4.

Eine Kleinstadt. Eine Tochter will ihrer Mutter ein Funktelefon mit Karte schenken, damit sie überhaupt ein Telefon hat. Die Mutter will es nicht nehmen. „Ich habe kein Geld und man kriegt dann solch hohe Rechnungen.“ Nein, es kostet Dich überhaupt nichts. Wenn die Karte alle ist, kannst Du eben bloß nicht mehr anrufen, aber immerhin noch angerufen werden. „Nein, da könnten dann irgendwelche Unholde anrufen und mir obszöne Sachen sagen.“ Die haben doch Deine Nummer nicht. Und so obszön ist es nicht, wenn jemand nach Frau Müller fragt, weil er sich verwählt hat. „Doch, die fragen dann nach der Adresse, wenn sie merken, daß man allein im Haus ist.“ Dann legst Du eben auf, und die Funktelefonnnummer steht in keinem Telefonbuch. „Aber wenn die sich nun verstellen?“

Mir gelingt es, der Frau klarzumachen, daß sie dann schnell die Polizei rufen kann, falls mal ein Einbrecher im fünften Stock durchs Fenster eindringt. Sie nimmt das Telefon.

Die Tochter möchte, daß die Oma zum Schulanfang ihres Enkels in die Großstadt kommt. „Ich kann das Haus nicht für längere Zeit verlassen, falls Einbrecher kommen.“ Willst Du dann etwa allein zu Hause sein ?

Die Oma kommt nicht zum Schulanfang des Enkels. Sie hat Angst.

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Nachdenken über das Leben, Aufruf zur notwendigen Diskussion!

Montag, 11. Mai 2020 von Webredaktion

Vor dreißig Jahren änderte sich die Welt und das nicht nur in Europa, wobei die Veränderungen in Europa die entscheidenden waren und weitere Veränderungen bedingten. Mit den Ereignissen am Ende der 1980iger Jahre wurde eine historischen Rolle rückwärts praktiziert, progressive gesellschaftliche Entwicklung negiert, begünstigt dadurch, dass sich die Entwicklung in den sozialistischen Staaten scheinbar in einer Sackgasse befand, zum Teil einsetzende Stagnation entfaltete seine Kraft als Rückschritt, im materialistischen Sinn rebellierte die Basis gegen den Überbau und dieser war zu starr entsprechend flexibel zu reagieren. Letztlich führten die entstandenen Widersprüche in der DDR, nicht ohne Einflussnahme aus der BRD, zum Niedergang des Sozialismus. Anfängliche Bestrebungen notwendige gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, wurden unter wachsendem westlichen Einfluss negiert, mit den Wahlen zur Volkskammer und deren Ergebnis, es gewannen Parteien, welche in erster Linie die Negation des Sozialismus zum Ziel hatten und unter erheblichen westlichen Einfluss standen, erinnert sei zum Beispiel am Wahlkampf der CDU, ihr Stärkster Wahlkämpfer war der damalige Bundeskanzler. Es dauerte nicht lange und mittels Währungsunion wurde die Wirtschaft der DDR Sturmreif geschossen. Anschließend musste es weiter schnell gehen und so wurde für den 3. Oktober 1990 die deutsche Einheit beschlossen, das Parlament der DDR hat sich in diesem Zusammenhang selbst aufgelöst. Nun konnte die Basis der DDR-Volkswirtschaft endgültig vernichtet werden und zu diesem Zweck wurde der Osten mit einem Heer westdeutscher Bürokraten überschwemmt, es wurden die führenden Positionen besetzt, dabei spielte es keine Rolle, dass ostdeutsche Kompetenz sehr oft durch westdeutsche Inkompetenz ersetzt werden musste. Es war eine Notwendigkeit, um die imperialistische Macht auf dem Territorium der DDR wieder zu errichten, alle führenden Positionen zu besetzen. Um den gesellschaftlichen Überbau aber dauerhaft erfolgreich umgestalten zu können, war es notwendig die ökonomische Basis entsprechend zu verändern.

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Freidenker-Brief EXTRA April 2020: Die sogenannte Corona-Krise

Dienstag, 21. April 2020 von Webredaktion

Eine Stellungnahme des Deutschen Freidenker-Verbandes

Freidenker-Brief EXTRA April 2020

Das „neuartige Corona-Virus“ (SARS-CoV-2) und die dazugehörige Infektionskrank­heit CoViD-19 lösen weltweit Besorgnis und Ängste aus, die von Regierungen und Gesetzgebungsorganen mit dem erklärten Ziel der Eindämmung der Virusausbreitung verhängten Maßnahmen greifen tief in das Leben der Menschen und ihre Rechte ein. Über die vom Virus ausgehenden Gefahren gibt es unterschiedliche Einschätzungen, ebenso über die Zweckmäßigkeit und Motivation der staatlichen Maßnahmen.

Der Deutsche Freidenker-Verband befürwortet Diskussionen, die rational und erkenntnisfördernd sind, die kontrovers sein dürfen, aber im Geist des gegenseitigen Respekts und der Toleranz geführt werden, als kulturvoller Meinungsstreit. Wir beteiligen uns daran mit der Überzeugung, dass wir nicht schon alles ganz genau wissen, und sagen könnten, wer Recht hat und wer falsch liegt. Deshalb warnen wir auch vor Unduldsamkeit und den aus Glaubenskriegen resultierenden Spaltungsgefahren. Jenen, die in dieser Situation (wie jüngst zum „Klima“) den Kampf „jung gegen alt“ befeuern wollen, muss Widerstand entgegengesetzt werden.

Freie und rationale Diskussion – keine Panik!

Wir kritisieren die unzureichende und widersprüchliche Informationslage: ohne flächendeckende Tests gibt es keine belastbare Ausbreitungszahl, die ungenaue Unterscheidung zwischen Infizierten und Erkrankten bei Verzicht auf repräsentative Tests macht Prognosen zumindest unsicher, unterschiedliche Zählweisen und mangels Obduktionen fehlende exakte Angabe von Todesursachen führen zu einem Statistik-Hokuspokus, der manipulativ ist und Verunsicherung und Spekulationen nährt. Virologie, Epidemiologie und Immunologie sind prinzipiell empirische, exakte Wissenschaften. Wo ihnen Daten und gesicherte Zusammenhänge fehlen, müssen sie auf Vermutungen zurückgreifen. Die Diskussion über Eigenschaften und Gefahren von SARS-CoV-2 und CoViD-19 muss auf fachwissenschaftlicher Ebene weitergeführt wer­den, ohne Politisierung und Ideologisierung. Wir lehnen eine Verengung des „erlaubten“ Meinungsspektrums ab, das freie, wissenschaftsbasierte Denken ist auch in der Virus-Debatte gegen Verdächtigungs-„Kultur“ wie Gleichschaltung zu verteidigen.

Wir nehmen die Ängste und Befürchtungen von Menschen um die eigene Gesundheit und die ihrer Angehörigen und Freunde ernst und bekräftigen ihren Anspruch auf Schutz und maximale Gesundheitsvorsorge. Ebenso nehmen wir die Befürchtung ernst, dass unter der Flagge des „Gesundheitsschutzes“ Grund- und Menschenrechte einschließlich sozialer Rechte dauerhaft außer Kraft gesetzt oder eingeschränkt werden können. „Angst ist ein schlechter Ratgeber“ – die alte Volksweisheit muss nach beiden Richtungen hin bedacht werden, sowohl gegenüber der Parole: wir müssen unser Überleben sichern, koste es, was es wolle; als auch gegenüber der Beschwörung: der neue Faschismus kommt im weißen Kittel. (more…)

Wie stehen Freidenker, … zur Forderung nach Ausrufung des Klimanotstands?

Donnerstag, 24. Oktober 2019 von Webredaktion

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen,


1 ) dieses Wochenende, 26./27. Oktober, findet, wie jedes Jahr zweimalig, die Tagung der Vorstände des Deutschen Freidenker-Verbandes statt.

Wie immer beginnt die Veranstaltung mit einem öffentlichen Vortrag und anschließender Diskussion. Den Einladungstext findet ihr hierunter und im Anhang.

Wir teilen diese Einladung hier mit, obwohl viele Interessierte sich eher nicht zu früher Morgenstunde auf den Weg nach Magdeburg machen können, da uns wichtig ist zu dokumentieren, dass der Deutsche Freidenker-Verband weiterhin an der Diskussion des Themenkomplexes „Klimabewegungen“ arbeitet. Als einführendes Material findet Ihr unter dem Einladungstext auch den link zu einem Text von Dagmar Henn, der vor einigen Wochen erschien unter dem Titel: „… wer über den Notstand entscheidet“.

Einladung zur Diskussion

Ermächtigungsgesetz – Notstandsgesetze – Klimanotstand?“

Einleitungsreferat:

Klaus Hartmann

Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes

Wenn eine Regierung Steuern erhöhen will oder neue einführen will, stößt das üblicherweise auf mehr oder weniger massive Proteste. Neuerdings gibt es hingegen Demonstrationen – für Steuererhöhungen! Während das noch einer masochistischen Neigung oder der tiefverwurzelten Mentalität des Ablasshandels entspringen mag, ist bei einem anderen Thema Schluss mit lustig:

Die erste „Große Koalition“ in Westdeutschland setzte im Bundestag 1968 die „Notstandsgesetze“ durch. Sie missachtete den breiten außerparlamentarischen Protest, zu dem das überparteiliche Kuratorium „Notstand der Demokratie“ aufrief. Doch wie sollte es anders sein: „Im Hinterland zog die SED die Strippen.“ („Die Welt“, 11.05.2018)

Die Diskussion und die Praxis von Not- und Ausnahmezuständen ist aber viel älter – vom antiken Griechenland über den Kirchenlehrer Augustinus, von Napoleon bis zur Weimarer Republik und dem Staatsrechtler Carl Schmitt … deshalb geht es im Vortrag schwerpunktmäßig um Historisches, Juristisches und Politisches zum Ausnahmezustand.

Wie stehen Freidenker, traditionell engagiert gegen Kirchenprivilegien, für Frauenrechte, gegen Demokratieabbau und Überwachungsstaat, zur Forderung nach Ausrufung des Klimanotstands?

Sonnabend, 26. Oktober 2019, 10:00 Uhr

Jugendherberge, Leiterstraße 10, 39104 Magdeburg (more…)

DIE KRIEGSBRIEFE VON CLARA ZETKIN – Lesung

Freitag, 19. April 2019 von Webredaktion

DIE KRIEGSBRIEFE VON CLARA ZETKIN mit der Herausgeberin Marga Voigt

Donnerstag, 25. April 2019, 19:00 Uhr – Lesung
Saal des Kulturzentrums Reichenstraße,

Reichenstraße 1,

06484 Quedlinburg

„Die Sozialistin Clara Zetkin (1857 – 1933) war jahrzehntelang die treibende Kraft in der deutschen Sozialdemokratie, auf der europäischen Bühne und nicht zuletzt als Sekretärin der 1907 gegründeten Sozialistischen Fraueninternationale. Im württembergischen Stuttgart redigierte sie das SPD-Blatt „Die Gleichheit“ und hatte es mit 125.000 Abonnements zur international führenden Frauenzeitschrift gebracht. Im Sommer 1914 begann es jedoch zu flackern, hier wie dort: In Beruf und Politik kam es zur Katastrophe. Das Kippen der internationalen Sozialdemokratie in eine selbstverschuldete Unmündigkeit, zurück unter die bürgerliche Vormundschaft, der einst Lassalle die junge Arbeiterbewegung entwunden hatte, ließ Clara Zetkin – nach eigenen Worten – fast wahnsinnig werden und an Selbstmord denken: Hier ging ein Lebenswerk in Trümmern.
Als diese Vorgänge spiegeln sich in Clara Zetkins Briefen aus dem ersten Weltkrieg.

Veranstalter Rosa-Luxemburg-Club Harz und Deutscher Freidenker Verband Quedlinburg

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„Marx neu entdecken“ – Lesung und Diskussion zum 200 Geburtstag

Dienstag, 15. Mai 2018 von Webredaktion

In Zusammenarbeit mit dem Rosa-Luxemburg Club Harz, veranstalten wir zum 200 Geburtstag von Karl Marx, im Rahmen des 18. Quedlinburger Bücherfrühlings, eine Lesung und Diskussion unter dem Motto „Marx neu entdecken“.

Am 5. Mai vor 200 Jahren wurde einer der größten Denker des 19. Jahrhunderts geboren, Karl Marx. Unter den Großen der Geschichte steht Marx an hervorragender Stelle. Er schrieb nicht nur das Kapital, welches in der Gegenwart, die geprägt von den verschiedensten gesellschaftlichen Krisen, wieder häufiger nachgefragt wird, sondern begründete auch eine wissenschaftliche Weltanschauung.

Wo: Kulturzentrum Reichenstraße, Reichenstraße 1, in 06484 Quedlinburg

im Saal

Wann: 23. Mai 2018

Um: 20:00 Uhr

Was Marx der kategorische Imperativ des neuen Materialismus nannte: „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wessen ist.“*

*MEW 1, S. 385, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung

Um eine Spende zur Förderung eines Literaturprojektes in Quedlinburg wird gebeten.

 

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