Landesverband Sachsen-Anhalt

Jüngst gelesen und weiterzuempfehlen

Samstag, 11. Oktober 2014 von Webredaktion

Kopie des Einbandes

Ein Roman wurde mir empfohlen, „Der Luther-Roman“ „Feuer“ von Waltraut Lewin und der Empfehlung folgend, nahm ich diesen Roman mit in den Urlaub. Dort hatte ich ihn allerdings für meine Verhältnisse ziemlich schnell ausgelesen, obwohl diese Literatur nur fürs Quartier gedacht war, unterwegs begleitete mich der Band 179 aus „Reclams Universal-Bibliothek“, die 21. Auflage, „Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht. Historisch ist die Handlung im Band ca. 100 Jahre nach Luther angesiedelt und spielt in Italien. Auch wenn es viele Parallelen gibt, letzteres soll hier nicht Gegenstand sein, genauso wenig wie das dritte Buch welches ich in Angriff genommen habe, durchaus zu den zwei Büchern passt, allerdings in der Gegenwart spielt.

Bildung und Erkenntnis sind ein Thema welches die verschiedensten Jahrhunderte durchzieht, eigentlich die gesamte Menschheitsgeschichte begleitet, ja die Entwicklung der Menschen entscheidend beeinflusst. Letztlich entpuppt sich eine jegliche Bildungsfrage als eine Machtfrage, welches diese Bücher sehr schön veranschaulichen.
„Der Luther-Roman“ lässt sich sehr gut lesen, der rote Faden geht nie verloren, auch wenn manche Wendung vollzogen wird. Anschaulich wird das Leben Luthers geschildert, eines Menschen, welcher als Produkt seiner Zeit, mit den Widersprüchen dieser Zeit permanent konfrontiert wird und an diesen gelegentlich zu zerbrechen droht. Seine Stärken und Schwächen kommen zum Tragen und das nicht ohne Folgen für viele seiner Mitmenschen, Förderer, Widersacher, Anhänger. Die Rolle Luthers wird treffend in die Zeit eingeordnet, es werden Grenzen aufgezeigt, aber auch die Ursachen derselben. Im Roman wird Luther nicht idealistisch verklärt, sondern in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit im Kontext einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche gesehen. Er wird als Mensch dargestellt, welcher geprägt von seiner Umwelt mehr ein getriebener als ein treibender ist. Der Roman gewährt Einblicke in seine Kindheit und Jugend, in seine Studienzeit und die Umstände, welche Luther veranlassten in ein Kloster zu gehen. Eindrücklich wird sein weiterer Werdegang geschildert und die Kräfte, welche sein Handeln bewegten, diese waren allerdings weniger göttlicher Art, als gesellschaftlichem Sein geschuldet. Seine Rolle in den Machtkämpfen seiner Zeit, aber auch sein Versagen als Reformator, welcher auf halbem Wege stehen geblieben ist und so die Möglichkeit verpasste die christliche Religion zur Religion der Menschen zu machen, sie ihres herrschenden, beherrschenden Charakters zu berauben und befreiende Wirkung zu entfalten. Die herrschenden Verhältnisse im Reich waren für Luther kein Grund der Kritik, sondern Gott gewollt. Somit verkündete er Gottes Gnade fürs Himmelreich, irdisches Sein sollte allerdings davon verschont bleiben, hier manifestierte er die herrschenden Verhältnisse und die damit verbundenen Folgen für die meisten Menschen, insbesondere die Bauern. Einer Auseinandersetzung zur Zeit der Bauernkriege mit Müntzer, welchen er von früheren Diskussionen in Wittenberg kannte, ist er aus dem Weg gegangen, im Gegensatz dazu hat er sich bei den Fürsten angebiedert. Letzteres hielt ihm allerdings nicht davon ab, im Laufe der Zeit Ansichten weiter zu entwickeln und Einstellung zu ändern, so zum Beispiel gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Auch spiegelt der Roman das Verhältnis Luthers zu den Juden, welches durchaus hoffnungsschwerer Wandlungen unterworfen war.

Interessant ist dieses Buch auch im Zusammenhang mit dem 500 jährigen Jubiläums des Thesenanschlages an das Tor der Wittenberger Schlosskirche im Jahre 1517. Ein Roman also, welcher Einblicke in die Geschichte der Reformation, ihrer Ursachen und Beweggründe gibt, die treibenden Kräfte benennt, kurzweilig zu lesen und passend zur Lutherdekade erschienen ist. Und nicht nur Inhaltlich, sonder auch sprachlich ein anspruchvolles Buch!

Th. Loch

 

Treffen von Freidenkern aus Sachsen-Anhalt

Freitag, 02. Mai 2014 von Webredaktion

Am 11. und 12. April trafen sich die Freidenker aus Sachsen-Anhalt in Quedlinburg, gemeinsam mit Hamburger Freidenkern, welche ihre Jahresfahrt in diesem Jahr nach Quedlinburg unternahmen, wurden drei Veranstaltungen im Rahmen des 14. Quedlinburger Bücherfrühlings besucht. Am Abend des 11. April fand im Festsaal des Rathauses eine Lesung mit Reinhold Andert statt. Er las aus seinem jüngsten Buch „Heilige Lanzen“. Zum Beginn der Lesung griff der Autor, welcher zu den Mitbegründern des Oktoberclubs gehörte, zur Gitarre und sang drei Lieder. Nach dieser Einleitung ging es ums Buch, wobei weniger gelesen und mehr erzählt wurde. Am Ende der Lesung wurde auf die zwei Veranstaltungen am folgenden Tag verwiesen und die Freidenker setzten sich gemeinsam mit dem Autor in Richtung Brauereigaststätte in Bewegung. Dort kamen interessante Gespräche beim Essen und Trinken zustande.

Am Samstag folgte ab 11:30 Uhr eine Stadtführung inklusive Stiftskirche, als Vorbereitung auf die Nachmittagsveranstaltung, in welcher es von 15. bis 17:00Uhr um die Religionsgeschichte Mitteldeutschlands ging. Auch diese Veranstaltung war gut besucht, es wurde erfrischend und kontrovers, den Bogen bis in die Gegenwart spannend, diskutiert.

Im Vorwort zum Buch „Heilige Lanzen“ ist zu lesen: „Die Beschäftigung mit der Geschichte ist, wie oft zu hören, kein Selbstzweck. Die einen befassen sich mit ihr, weil sie weder für sich noch für die Gesellschaft eine Zukunft sehen und sich deshalb in die „gute alte Zeit“ zurücksehnen. Andere, die im Dienst der Eliten stehen, benutzen die Geschichtsbetrachtung für die Rechtfertigung des jeweiligen Systems. Eine dritte Gruppe aber taucht unvoreingenommen in die Vergangenheit ein, sichtet alle verfügbaren Quellen und ergänzt das, was fehlt, was verschwiegen oder vernichtet wurde, mit Logik des gesunden Menschenverstandes. Sie will erfahren, was aus der Vergangenheit zu bewahren ist und was nicht. Durch dieses Wissen fühlt sie sich verpflichtet, die heutigen Verhältnisse dementsprechend zu ändern.“ Die Veranstaltungen zeigten dass der überwiegende Teil der Teilnehmer der dritten Gruppe zuzuordnen ist, was insbesondere in den Diskussionen zum tragen kam.  

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Freidenker 4-13

Sonntag, 13. April 2014 von Webredaktion

Freidenker413Im Dezember 2013 erschien der aktuelle Freidenker, Verbandsorgan des DFV. Thema des Heftes ist der Ausbruch des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren und der Kampf gegen imperialistische Kriege in den letzten 100 Jahren. Gerade letzteres ist unbedingt Notwendig, wenn sich heute in der Welt umgeschaut wird und die verschiedensten Kriege Berücksichtigung finden. Zu erkennen bleibt, wohin die Politik der verschiedensten Hegemonialmächte führt. In diesem Zusammenhang gibt es etliche Parallelen zum ersten Weltkrieg, aber auch zum zweiten. Als ich im Januar eine Vorbereitungsstunde zur Jugendfeier dieses Jahres in Braunschweig begleitete, hatte ich den ersten Weltkrieg und dessen Umfeld, Ursachen und Wirkungen zum Thema gemacht. Es ist ein interessantes, aber auch wichtiges Thema, weil es die Gegenwart und gegenwärtiges gesellschaftliches Sein nicht nur Tangiert. Im Vorfeld zu dieser Veranstaltung viel mir ein Buch in die Hand, welches sich mit „erlebte Geschichte“, wie sie „von Zeitgenossen gesehen und geschildert“ wird beschäftigt, der erste Teil trägt den Titel, „vom Kaiserreich zur Weimarer Republik“ und in diese Zeit fallen Vorbereitung, Führung und Folgen des ersten Weltkrieges.

Die oben geschrieben, der aktuelle Freidenker beschäftigt sich mit dem Thema erster Weltkrieg und dessen Bedeutung bis in die Gegenwart hinein.

Im letzten Teil des Heftes finden sich Thesen, welche zur Diskussion gestellt werden und das Verhältnis von Freidenkern und Religion zum Gegenstand haben. Die Thesen finden sich als PDF – Datei hinterlegt auf der Seite des DFV. Ihnen ist eine breite und inhaltsreiche Diskussion zu wünschen.



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