Landesverband Sachsen-Anhalt

Wofür steht Trump?

Sonntag, 20. November 2016 von Thomas

Über die Fraktionsspaltung im US-Monopolkapital – Gedanken –

Kurt Tucholsky wurde einmal gefragt, was er täte, hätte er die Macht. Er frug zurück: „Für wen habe ich die Macht?“ Die künftige Politik der USA zu prognostizieren bedeutet also zu identifizieren, welche Kapitalgruppen Donald Trump vertritt. Wie weit die marxistische Forschung durch den Umsturz in DDR und UdSSR zurückgeworfen wurde, kann man auch am Fehlen eines allgemeinen Verständnisses dieser Frage innnerhalb der kommunistischen Bewegung ablesen.

Victor Perlo unterschied noch 1960 in verschiedenen Büchern sieben wesentliche US-Kapitalgruppen. Doch kann man hier weiter verallgemeinern und zwei Hauptfraktionen unterscheiden, die letztendlich auf die Kolonisierungsgeschichte der USA zurückgehen: Zum einen gibt es die Gebiete, die einst französische Kolonie waren, nämlich die Provinz Louisiana entlang des Mississipi und von dort westwärts bis zum Pazifik. Der „mittlere Westen“ der USA, der eigentlich östlich des US-Mittelmeridians liegt, gehört dazu. Es dominiert die verarbeitende und Hochtechnologie-Industrie im engeren Sinne (historisch Ford, General Electric, General Motors, Westinghouse, Wal-Mart usw.). Dementsprechend strebt diese „Westküstenfraktion“ billige Energie, niedrige Zinsen und hohe Preise für Industrieprodukte an. Religiös orientiert sich diese Gruppe mehrheitlich am Katholizismus und außenpolitisch auch am Islam. Einige ihrer präsidialen Vertreter sind Barack Obama, William Clinton, Ronald Reagan, Gerald Ford, John F. Kennedy, Harry Truman.

In allen genannten Parametern stellt die „Ostküstenfraktion“ den Gegenpol dar. Rohstoff- und Dienstleistungskonzerne, dabei zentral Medien und Banken, erstreben hohe Rohstoffpreise, die auf die gesamte Produktionskette durchschlagen, die Inflation antreiben und zu höheren Zinsen und Gewinnen der Finanzkonzerne führen. Wichtig sind Exxon-Mobil, in dem vier Fünftel der Spaltprodukte des Rockefeller-Imperiums zusammengefaßt sind, und Chevron-Texaco, der Zusammenschluß der Standard Oil of California mit dem Clan der texanischen Erdölmonopolisten. Man beachte, daß auch Microsoft hierein integriert ist. Der Sitz Seattle liegt zwar am Pazifik, doch war der Bundesstaat Washington (nicht zu verwechseln mit der Hauptstadt Washington D.C.) britische Kolonie. Überdies wurde die Firma in Texas gegründet. Mit den Präsidenten Bush junior und senior, Carter, Nixon, Johnson, Eisenhower und Franklin D. Roosevelt setzten sie ihre Interessen um. Diese Fraktion ist eher protestantisch und jüdisch, außenpolitisch auch pro-orthodox. Donald Trump gehört eindeutig zu dieser Gruppe. (more…)

 

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